Mittwoch, 6. Januar 2010

Milou in tree



Milou hatte eine lange Fahrt hinter sich. Heiligabend wurde sie in ihrem Korb im Auto zu seinen Eltern gefahren. Ein wunderschönes riesiges Haus - mit vielen Zimmer und Unentdecktem. Die vielen Menschen, die brauchte Milou nicht unbedingt. Hauptsache sie wußte Frauchen in der Nähe. Und in dieser Gewissheit fing sie an sich umzusehen. Sie fand ein altes Spinnrad, sprang auf den Schrank und stellte verwundert fest, dass sie sich aufrecht setzen konnte, ohne gleich einen Deckel auf den Kopf zu bekommen. Da ging es noch weit hinauf. Vielleicht bekam sie da schon eine leichte Sehnsucht nach Höhe und Raum... Als sie sich eingelebt hatte, wurde sie wieder in ihren Korb gestopft und den ganzen Tag durch Europa gekarrt. Sie konnte sich kaum rühren und es war dunkel. Die Fahrt schien kein Ende zu haben. Schnell hatte sie die Orientierung komplett verloren. Nur Frauchens Stimme beruhigte sie. Aber ihr Vertrauen schwand ein wenig.
Endlich wurde der Korb aus dem Auto gehoben und sie schaukelte einer Entlassung entgegen. Wieder ein neues Zimmer. Erschöpft vor Angst schlief Milou auf dem weichen Bett gleich ein. Als die Hände am nächsten Morgen wieder nach ihr griffen, versteckte sie sich schnell unter dem Bett. Nein! Sie blieb hier! Nicht wieder diese Schaukelei in der Enge. Komme, was da wolle! Puh - Glück gehabt. Die beiden Menschen verließen den Raum - ohne sie. Milou legte sich wieder schlafen. So konnte sie von ihrem trauten Heim träumen. Plötzlich standen die Menschen wieder vor ihr, lockten sie zum Fressen. Ja, so hatte sich Milou Ferien vorgestellt! Schlafen und Fressen - sonst nix.

Aber nach zwei Tagen wurde ihr doch etwas langweilig. Als Herrchen vor die Tür trat, schlich sie ein paar Schritte mit. Oh, das roch aber sehr vielversprechend und interessant. Überall standen Bäume, Natur - das alles hatte sie in Paris schmerzlich vermißt. Die Erinnerung sickterte ganz langsam in ihr Bewußtsein. Noch bevor sie Besitz von ihr ergreifen konnte, wurde sie wieder ins Zimmer getragen.
Vor Aufregung konnte sie kaum schlafen - und als am nächsten Morgen die Tür wieder geöffnet wurde, rannte sie so schnell sie konnte in die große Verheißung. In sicherer Entfernung konnte auch Frauchens Stimme sie nicht mehr umstimmen. Sie wollte raus! Sie wollte ja auch wieder zurück. Und ihrem Katzeninstinkt vertrauend, sandte sie Frauchen ein paar versprechende Gedanke, die auch ankamen. Die Menschen fuhren weg. Jeder ging seiner Wege.
Während die Menschen eine gute Zeit hatten, stand Milou plötzlich vor einem großen Ungetüm. Es fletschte die Zähne und war furchtbar laut. Instinktiv rannte sie den nächsten Baum hinauf. In größtem Sicherheitsabstand in 12 m Höhe blieb sie sitzen. Völlig verstört sass sie dort - und wartete auf Rettung! Sie sah nach oben - da war noch Fluchtweg. Bei Angst sollte sie davon Gebrauch machen. Der Blick nach unten machte sie panisch! Das war kein Fenster, vor deren sicherem Sturz sie hinaussehen konnte. Das war Realität! Dort mußte sie wieder hinunter! Nein!!! Um keinen Preis.
Und so rief sie laut nach ihrem Frauchen. Nach Stunden schien sie gehört zu werden. 'Milou' - sie vernahm ihren Namen mit vertrauter Stimme. 'Frauchen - hier oben bin ich. Hol mich runter!' - Aber niemand kam. Sie antwortete doch immer. Wieso erschien hier niemand? Sie konnte nicht allein wieder runter. Das war viel zu gefährlich! Frauchen war für sie verantwortlich - also sollte sie sie hier runterholen. Aber sie kam nicht. Es war schon längst dunkel. Die Lichtkegel, die sie ab und zu erreichten, ließen die Anwesenheit von Menschen erahnen. Aber auch die verschwanden irgendwann.
Milou hockte dort oben und nahm dankbar das erste Dämmern zur Kenntnis. Aber der Baum war immer noch so hoch. Es gab immer noch keinen Weg nach unten. Plötzlich - es klang wie Musik in ihren Ohren - vernahm sie unter anderem die aufgeregte vertraute Stimme. Vermischt mit anderen. Da sauste ihr plötzlich ein Schneeball um die Ohren. Erschrocken rannte sie den Baum noch ein Stück nach oben. Hier war sie bestimmt vor allen Gefahren in Sicherheit. - Vor allen außer der Angst! Sie zitterte und rief und rief. Wieso kam ihr Frauchen nicht? Sie hörte sie doch!

So verging auch der nächste Tag. Die Unterhaltung zwischen Milou und ihrem Frauchen wurde immer kläglicher und trauriger. Die Hoffnung auf eine Umarmung schwand. Sollte sie nie wieder von diesen Händen, die ihr so treu ergeben waren, gestreichelt werden? Nie wieder sollte sie morgens ungeduldig durch Hinunterwerfen sämtlicher auf dem Tisch befindlicher Gegenstände die Menschen wecken dürfen?

Vor allem wurde das leere Gefühl im Magen unerträglich. Sie vermißte diese kleine Blechschale unsäglich. Und mit einem Mal - es war bereits wieder nachts und sie war ganz mutterseelen allein - wußte sie, sie schafft es. Sie MUSSTE fressen und sie MUSSTE ins warme Zimmer. Milou mußte keinen Mut mehr fassen - sie wußte, was zu tun war. Und so instinktiv sie auf den Baum geflüchtet war, so instinktiv lief sie ihn wieder herunter. Als sie wieder festen Boden unter ihren Pfoten spürte, rannte sie so schnell wie sie davon gelaufen war, so schnell auch wieder zu der Tür, hinter der sie alle Seligkeiten, die sie schmerzlichst vermißt hatte, wußte. Sie rief laut - und die Tür öffnete sich. Waren das Tränen in den menschlichen Augen? Milou hatte keine Zeit darüber nachzudenken oder genauer hinzusehen - sie rannte schnurrstracks zu ihrem Überleben und frass sich erstmal satt. Danach mußte sie schlafen - warm und weich wie vor ihrem Ausflug. Und dann, aber auch erst dann, würde sie ihren Menschen wieder um den Hals fallen...

Liebe Milou, Du hast uns aufregende Weihnachtstage beschert. Wir sind alle glücklich und dankbar für den Ausgang Deines Ausflugs. Du wirst noch lange Gesprächsthema sein... ;-)))


Foto: www.

1 Kommentar:

  1. danke dir liebe anke auch von milou, die menschenaugen haben schon wieder tränen in den augen, voller glück so eine wundervolle katze und die beste schwester der welt zu haben! :)*

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