Sonntag, 27. Juni 2010

Gottesdienst

Die ersten drei Ferientage habe ich meine Kinder zu einer Kirchenfreizeit in der Gemeinde meiner Freundin geschickt. Sie hatten wirklich sehr viel Spaß - und ich wirklich sehr viel Ruhe. ;-)

Heute wurde die Freizeit mit einem gemeinsamen Gottesdienst beendet, der mir grundsätzlich gut gefallen hat. Es war viel lebendiger und lauter als gewöhnlich in der Kirche. Das Singen hat mich sehr berührt und die gute Laune war ansteckend.
Während der Freizeit wurde ich 'Josef Geschichte' aus dem Alten Testament erzählt, die der Pastor im Gottesdienst sehr lebendig beendet hat.

Anschließend wurden zwei etwas ältere Mädchen getauft. Sie wurden gefragt, ob sie dem Teufel entsagen wollten (Teil des Taufrituals). Mich hat dieser Satz erschrocken. Fast wollte ich gehen. Aber plötzlich wurde es hell und so unendlich liebevoll in mir.

Und ich danke dem Schöpfer, dass ich darüber hinausgewachsen bin. Dass es für mich nicht mehr um 'gut' und 'böse' geht, dass ich weiß, dass nichts untrennbar von Gott ist, dass Jesus ein großer Meister war und ist, dass ich in diese Religion hineingeboren bin, in der es um Schuld geht - ABER ich bin gehalten in der Gewißheit, dass niemand schuldig ist, dass niemand Mangel leben muss, d.h. ich muss nicht um mein tägliches Brot bitten, denn es ist da, es steht mir zur Verfügung. Ich brauche nicht für die Armen der Welt zu bitten, die wir künstlich in der Armut halten, um uns reich zu fühlen, niemand mußte Schmerzen erleiden, damit ich in Gottes Liebe bin.

Ich habe es geliebt, in dem Gotteshaus zu sein, im Glauben vereint zu sein. Aber ich weiß, dass ich einer aus Angst vor dem Bösen, dem Teufel und der Sünde durchtränkten Religion entwachsen bin.

Ich weiß, dass Gott ich und ich Gott bin. Dass ich in seiner Liebe leben darf - aber nicht muss. Jeder ist gehalten und getragen darin. Sie ist wahrlich bedingungslos. Ich glaube nicht an einen eitlen Gott, der unsere Akzeptanz benötigt, um zu existieren. Ich bin frei. Und diese Freiheit hat mich ganz zurück zu Ihm geführt, der doch immer Anfang und Ende ist.

So dankbar habe ich mich gefühlt, losgelöst. Aber mit Respekt vor dem, was dort geschah. Ich mußte nicht werten, sondern konnte dabei sein. Denn wie auch immer unser Glaube gelebt ist, für uns ist es die einzige Wahrheit, denn sie kommt aus unserem Herzen. Und so werden wir sie leben. Das ist für uns richtig.
Aber es ist nicht die einzige Wahrheit.

Und ich wünsche mir, dass mich dieses Licht noch lange begleiten wird. Vielleicht werde ich ab und an dort in der Kirche sein und mitsingen - aus vollem Hals. Vielleicht nicht alles - aber eins mit Sicherheit: Ich bin gesegnet in Gott!

Und jeder tut seinen Dienst an Gott - egal wo er ist auf der Welt, egal was er tut. Er kann nur sich selbst die Hölle auf Erden bereiten. Am Ende ist er doch dort, wo er hergekommen ist - nämlich in der Liebe!

Der Tod, das Paradies, der Himmel oder die Ewigkeit sind keine Schmankerl, weil wir brav gewesen sind. Sie sind Gottes Versprechen ans uns - an jeden von uns.
Wir sind untrennbar daran gebunden. Er hat uns nach seinem Vorbild geschaffen. Vielleicht können wir abrücken von der Idee, er sei der Vater im Himmel. Ich sehe eher, dass er uns als machtvolle Schöpfer dieses Leben geschenkt hat. Das kann ich leben, glauben, fühlen und sehen.

Und da finde ich die bedingungslose Liebe, die, die auch dem Feind vergeben und dem Verbrecher die Hand reichen kann.

Niemals würde ich meine Kinder 'enterben', wenn sie mir nicht vertrauen, wenn sie andere Wege beschreiten als ich, wenn sie eine andere Überzeugung leben als ich es tue. Niemals! Weil ich sie liebe.

Und das gestehe ich dem, der alles hält nicht zu?

Ich kann mich natürlich hinstellen, wenn meine Kinder mit Flausen im Kopf (von meinem Standpunkt aus gesehen) nach Hause kommen und den Nachbarsjungen die Schuld geben, den Medien oder der Gesellschaft. Aber es ist mein Kind, das eine Entscheidung getroffen hat, das ausprobieren möchte. Dennoch wird es IMMER sein Zuhause bei mir haben!
Und so verstehe ich Gottes Liebe. Ich habe dort IMMER mein Zuhause.

Kommentare:

  1. Uih, ihr habt schon Ferien, da müssen wir hier noch ein wenig warten - leider!!!
    Ja, in die Kirche sollte ich auch mal wieder gehen, und Deine Worte sind sooo wunderschön!!!!
    Eine schöne neue Woche,
    viele liebe Grüße, Yvonne

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  2. Ich habe mich von deinen Zeilen berühren lassen und danke dir von Herzen!

    Christina

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  3. Danke für deine Worte, die viel von dem ausdrücken, was ich auch empfinde.
    Schön das mit euren Ferien der Sommer gekommen ist, da könnt ihr sie schön genießen. Auf die Ferien müssen wir noch ein Weilchen warten.
    Sonnige Grüße von Birgitt

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  4. Du sprichst mir wieder aus dem Herzen, wie so oft! ;o)

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