Donnerstag, 30. September 2010

Über die Geduld

Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann,
alles ist Austragen – und dann Gebären...



Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte.



Er kommt doch!



Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit...



Man muss Geduld haben.



Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben, wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.



Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.


Rainer Maria Rilke

Kommentare:

  1. Hihihi.....deine Ungeduld tönt durch jede zitierte Zeile....;-))
    Andererseit hattest du scheinbar die Geduld ien Gedicht mit "Austragen" und "Gebären" zu finden! ;-)

    Komm, ich schick' dir ein Päckchen Geduld rüber, ich brauch' sie nicht mehr...


    Lieber Gruß,

    Catalina

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  2. Das Gedicht, hat meine hoffentlich bald gebärende Schwester gefunden... ;-))

    Danke für's Päckchen. :D

    Ich schicke von hier auch einen lieben Gruß,
    Anke

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  3. Liebe Anke
    ich hatte Rilke hier gefunden, bevor du bei mir kommentiert hast, und hatte überlegt, ob ich etwas dazu schreiben soll. (Bei mir steht er seit etwa einem halben Jahr drin! :-))
    Es gibt Texte, die sind so stark und treffen sosehr dieses Suchen unserer Zeit, dass sie überall und in den unterschiedlichsten Situationen erscheinen, tragen und stärken.
    Ein unglaubliches Geschenk!
    Ob ihr immer noch am Warten seid?
    Lieben Gruss
    Gabriela

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