Donnerstag, 17. März 2011

Einssein

In der heutigen FAZ ist der Brief der japanischen Autorin Akira Kuroda aus Tokio abgedruckt. Er trägt den Titel “Ich habe keine Angst mehr” und atmet nicht nur eine herzerweichende Zärtlichkeit, sondern sagt uns Zusehern der japanischen Katastr...ophe, was wir zu tun haben. Leider ist der Text nicht frei zugänglich. Ich zitiere hier den Anfang." Der beste Weg zum Glück ist, sich genauso schnell zu verändern, wie sich das Leben selbst verändert", schreibt der Autor und Geisteslehrer Don Miguel Ruiz. Ich möchte euch sagen, dass ich mich nicht mehr von meiner Angst be.........herrschen lasse. Ich habe es so satt. Zu erkennen, was passiert, und die Situation einzuschätzen ist etwas ganz anderes, als Angst zu haben. Wenn man Angst hat und traurig ist, kann man das ruhig ausdrücken, aber man sollte sich davon nicht beherrschen lassen. Man kann diese Methode ganz aktuell in dieser Situation praktizieren.Bitte versucht nicht, eure Gefühle oder euer Schuldbewusstsein zu verbergen, denn mit der Zeit würde es nur noch schlimmer. Sprecht offen mit anderen. Niemand lebt für sich allein. Offenbart anderen eure Gefühle und sagt, wenn euch nach Weinen zumute ist, lasst euren Tränen freien Lauf. Achtet auf die Temperatur der Tränen, auf den beißenden Schmerz in der Nase, dann werdet ihr wieder ruhiger, weil ihr wisst, dass euer Körper ganz normal funktioniert. Gott sei Dank seid ihr am Leben, und deswegen empfindet ihr Schmerz und Trauer."" Ich dachte immer, dass ich sofort fliehen würde, wenn bei uns etwas passiert. Aber seit dem Erdbeben hat sich meine Einstellung komplett verändert. Ich fühle mich diesem Land und seinen Menschen so verbunden. Ich liebe dieses Land Japan m...ehr als zuvor. Und ich liebe die ganze Welt (das gilt übrigens nicht nur für mich, das sagen alle, mit denen ich gesprochen habe).Wir lieben euch, ihr Völker der Welt! Wir danken euch aus tiefstem Herzen für eure Hilfe, für euren Beistand. Eure Freundlichkeit, eure Hilfe, eure Gebete rühren uns zu Tränen, denn wir fühlen eure Menschlichkeit. Vielen, vielen Dank! Bitte betet weiterhin mit uns. In mir sind Schmerzen und Trauer. Es tut so weh, aber ich habe jetzt keine Angst mehr. Was immer passiert, es liegt nicht mehr in meiner Hand. Ich ergebe mich. Ich muss einfach tun, was notwendig ist, beispielsweise an euch schreiben.Ich kann nun die Schmerzen anderer Menschen wirklich verstehen .Als die Amerikaner das World Trade Center einstürzen sahen, als die Iraker ihre Stadt von Bomben zerstört sahen, als die Indonesier ihre verwüsteten Strände sahen, als die Chinesen das furchtbare Erdbeben erlebten - all diese Schmerzen in der Geschichte sind auch die Schmerzen aller anderen Menschen. Es sind eure, es sind meine Schmerzen. Es sind unsere Schmerzen. Spürt ihr sie? Es bedeutet, dass wir miteinander verbunden sind. Wir werden auch das Glück miteinander teilen.In diesem Moment hat mich gerade ein Freund angerufen, der in Westjapan lebt. Er sagte, ich solle sofort aus Tokio weggehen, bevor es zu spät ist. Ich weiß, viele meiner Freunde sind schon im Begriff wegzugehen. Ich sehe die Nachrichten und höre, dass ein weiterer Reaktor explodiert ist. Vielleicht bin ich zu dumm, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich keine Angst mehr habe. Fürs Erste bleibe ich in Tokio und schreibe euch. Akira."


Ich möchte diesen Worte nicht viel hinzufügen, denn sie sagen, was ich fühle. Dass wir uns besinnen dürfen darauf eins zu sein. Ich verbeuge mich vor den Menschen in Japan! Und ich hoffe, wir werden in unserer Tiefe finden, was wir verloren haben. Nämlich, dass das Gefühl von Trennung, von Spaltung uns Leid und Schmerz bringt. Wir haben gespalten, was zusammengehört. Und das hat einen unaufhaltsamen Prozess in Gang gebracht, der unkrolliert Leben zerstört. Ich bete, dass wir wieder lernen eins zu sein, vereint im Herzen, in der Liebe. Wir alle sind Teile des Ganzen, untrennbar miteinander verbunden.

Ich bete für die Japaner, die ich sicher in Gottes Hand weiß. Und ich bete für die gesamte Menschheit, dass sie mehr lernt, als die Atomkraftwerke abzuschalten. Ich fühle etwas Neues beginnen... Nehmen wir diese Chance an in einem neuen Bewußtsein zu leben.

Kommentare:

  1. Ist denn in der FAZ ein längerer Text abgedruckt?
    Danke auch für deine Worte...
    Lieben Gruss
    Gabriela

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  2. Danke für diesen Post, meine Liebe!

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  3. ...worte, die schlucken machen...
    ...wie man in der angst die liebe findet - und in der liebe die angst verliert....

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  4. Wunderbare Worte.

    Leider muss ich doch etwas hinzufügen: Es hat nichts mit Angst zu tun, wenn man, wie in diesem Fall, Tokio verlässt oder nicht.
    (doch, es kann Angst sein, muss aber nicht)

    Es ist die Vernunft. Wenn ich weiß, dass bei meinem Auto die Bremsen nicht mehr gut bremsen, fahre ich lieber mit dem Auto meines Mannes. Wenn ich weiß, das die Bremsen meines Autos nicht mehr funktionieren, dann fahre ich ganz sicher mit dem Auto meines Mannes, oder bleibe zu Hause, oder gehe zu Fuß, oder....

    Ich selber bin ein sehr nüchtern und logisch denkender Mensch, Angst habe ich sehr selten.

    Meine Vernunft sagt: Abwegen, entscheiden, und bei Unsicherheit lieber den gesunden Weg gehen.

    Ganz liebe Grüße und eine dicke Angstfreie Umarmung von Deiner Nani

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  5. ...ich fühle es auch, deutlicher denn je...wir sind mittendrin.

    "Wir werden auch das Glück miteinander teilen." - In einem anderen Bericht las ich von einer Japanerin, die von der sie völlig überwältigende, neu geborene Welle an Nachbarschaftlichkeit und Hilfsbereitschaft unter ihren Landsleuten gerührt erzählte. Fremde Menschen besuchten sich gegenseitig, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung sei. Sie meinte, sie habe das so nie erlebt, erinnerte sich aber an Geschichten aus dem alten Japan...

    Die Materie macht dem Herzen Platz.


    Lieben Dank für diesen Beitrag!


    Von Herzen... :-)


    Catalina

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  6. ..ich fühle es auch, deutlicher denn je...wir sind mittendrin.

    "Wir werden auch das Glück miteinander teilen." - In einem anderen Bericht las ich von einer Japanerin, die von der sie völlig überwältigende, neu geborene Welle an Nachbarschaftlichkeit und Hilfsbereitschaft unter ihren Landsleuten gerührt erzählte. Fremde Menschen besuchten sich gegenseitig, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung sei. Sie meinte, sie habe das so nie erlebt, erinnerte sich aber an Geschichten aus dem alten Japan...

    Die Materie macht dem Herzen Platz.


    Lieben Dank für diesen Beitrag!


    Von Herzen... :-)


    Catalina

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