Sonntag, 3. Februar 2013

Vergebung

Ist sie die letzte Instanz? Immer?

Sollte sie es nicht sein können bzw. dürfen?

Ich sehe keinen anderen Ausweg als Vergebung. Denn dahinter steht die bedingungslose Liebe, die strahlend, wärmend alles umfaßt und alles auflöst, was vor ihr war.
Aber der Weg dahin - muss er nicht zwingend beschritten werden? Wie kann ich das Netz aller Interaktionen, wie kann ich Ursache und Wirkung in letzter Konsequenz anders akzeptieren?

'Ich habe Euch immer nur Engel geschickt!' (aus 'Ich bin das Licht' N.D. Walsch)

Ich hadere mit mir, lebe als Mensch und müßte Täter doch verurteilen können. Stattdessen geht mir das Herz auf. Und ich wünsche mir nichts sehnlicher als dass Vergebung erlöst. Andererseits fühle ich mich einsam damit. Denn ich spüre die Wand von Fassungslosigkeit über meine Worte. Und ich weiß, dass sie ihre Berechtigung hat. Ich habe mich viel zu lang als Opfer gelebt, habe alles Verständnis für die Täter gehabt. Mich hinter der Wand versteckt, der Wand der Urteilslosigkeit. Ist Urteil auch eine Befreiung? Befreiung aus der Fassunglosigkeit über Taten, die so unendlich grausam, egoitisch, zerstörerisch sind, dass sie auf die nächsten Generationen übergreifen.

Aber wenn ich sie nicht loslasse, wann werden sie enden?

Ist Vergebung die Akzeptanz oder der Weg in die Lösung? Ich drehe mich im Kreis.

Das Kreuz wird lahm von all der Schuld und Muster, die ich übernommen habe, damit Liebe irgendwie doch möglich war. Und Liebe ist es, die mich immer noch festhält an all dem, was doch gar nicht zu mir gehört. Darf ich demjenigen nicht vergeben dürfen, der mir sovieles nahm - nicht direkt aber er tat mir so oft weh, immer dann wenn Weiblichkeit nicht sein durfte, wenn Auffallen Gefahr bedeutete, wenn Körperlichkeit auf jeden Fall unterdrückt werden mußte. Darf nur das Opfer Vergebung aussprechen? Nicht ich, die ihr so nah war, die unwissend mitlitt unter der Tat? Darf ich nicht vergeben für das, was damals seinen Anfang nahm? Ich würde so gern das Kreuz auf mich nehmen, alles ungeschehen machen. Ich möchte den Täter schützen, dass er diese Tat nicht ausführen kann, möchte alles tun, damit er abläßt von seinen Gedanken. Denn ich möchte die Mutter, die sie hätte sein können ohne diese schrecklichen Minuten und all der Verstrickungen, die sich daraus ergaben. Damit wäre doch auch mein Leben wieder heil. Es soll aufhören! Wenn es auch geschehen mußte, so soll es hier enden. Für mich und für die, die mir vertrauen, die mich nötig haben. Ich möchte Vergebung, weil ich die Liebe brauche!

Aber wäre das wirkliche Vergebung?

Ich glaube... nein, ich weiß: Ich kann es nicht vergeben. Es gibt nichts zu vergeben. Es kann nur aufhören! Ich kann mich nur aus dem lösen. Einen anderen Weg kann es nicht geben. Das ist eben meine Herausforderung. Den Täter vor die Tür zu stellen und sich selbst überlassen.

Und dann mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, weiterzugehen, in die Zukunft, die mir MEIN Herz weist...

Ich danke all den mutigen Frauen (und auch Männern!), die den Mut haben, Dinge beim Namen zu nennen, die den Kreis aus Missbrauch, Schmerz und unfassbaren Leid durchbrechen, die Täter als Täter identifizieren. Ich verbeuge mich vor denen, die aussprechen und vor denen, die zuhören, die halten, wortlos lieben, die Geduld haben. Die Klarheit erlangt haben - und mich zum Zweifeln und Fragen geführt haben.

So kann ich nun mir selbst vergeben, dass ich Dinge versucht habe, abzunehmen, die mir nicht gehören. Ich kann mir nur von Herzen wünschen, dass ich damit ein Ende setzen kann - für mich und für meine Kinder.

Vielleicht kann ich damit viel mehr erreichen als wenn ich versuche zu schützen, wo ich nicht schützen konnte.



1 Kommentar:

  1. Hallo Anke,
    wie gut ich dieses kenne. Früher war ich ein Opfer, heute nicht mehr. Ich habe mich davon befreit. So wie du schriebst ihn vor der Türe lassen und dasP aket schnürren ihm das innerlich zurück geben was man auf den Buckel geschnallt hatte. Vergebe dir selbst niemals schuldig zu sein oder zu schützen was nicht geht.

    An sich selber wenden und sich den Trost spenden um sich liebend für sich zu entscheiden. Zu Leben was man seit dem nicht konnte. Sich das zu geben die Liebe das beginnt bewusst sich zu öffnen der Gefühlwelt. Vertrauen in sich zu finden. Seine kraftquelle zuspüren das sprudelt wenn man sie findet.
    Die Stärke dass man den Schritt hinaus aus der Opferrolle wagte und sah dass es schaffbar ist.

    Vergebung kann ich nicht geben meinen Tätern, aber ich beweise mir dass ich lieben und Leben kann um nicht klein bei zu geben zu vernichten den Rest was ich mir immer bewahrt habe mein Kampf zu überleben. So habe ich heute wieder mich selber in der Hand und bestimme über mich selber. Freisein in allen wa sich mache mit nein sagen und dickköpfig sein zu dürfen, zu weinen wann ich will und möchte. Lachen oder traurig zusein.
    Vieles musste ich lernen umd as zu erreichen wie Glücksgefühle die Bedeutung zu wissen. Freude an Kleinigkeiten zu haben und meinen Körper zu aktzeptieren öfters wie früher.

    das wollte ich dir sagen wie ich ungefähr lebe, ein bisscchen ausschnitt
    Vielleicht kann ich dir bisschen mehr Mut bringen und Kraft.

    Deine Zeilen berühren mich sehr ....


    Liebe Grüsse Elke

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