Donnerstag, 12. Februar 2015

Arbeit? Arbeit!

Joanna stellte neulich dieses Buch vor. Wo, wie und warum weiß ich gar nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich es haben bzw. lesen mußte. Wieso? ... ja, wieso eigentlich? ... Bin ich nicht ausgelastet mit meinen Kindern, Haushalt, Garten und den Tieren? Irgendwie schon. Zeitlich gesehen. Aber füllt es mich aus? Ehrlich gesagt, traue ich mich nicht, die Antwort zuende zu denken. Was, wenn nicht? Was, wenn ich mehr möchte? Mehr bewegen? Was, wenn...

Ich kaufe mir oft Bücher. Manchmal, weil mir der Titel einfach gefällt. Oft lese ich sie nicht zuende. Oder ich brauche lange, bis sie ausgelesen sind. Meist sind das die, deren Titel ich spannend fand. Es sind Gedankenanstöße, Muster, die mich zum 'Anderssehen' anregen. Und mehr brauche ich oft nicht von einem Buch.
Bei diesem war es anders. Ich habe mich gleich hingesetzt und habe gelesen. Gar nicht wirklich weit. Und doch ging ich durch ganz schön viele emotionale Berg- und Talfahrten. Wunden wurden aufgerissen und wieder geschlossen, in manchem Wort fand ich meine Theorien wieder. Aber ich konnte das meiste nicht an mich heranlassen. Theorien sind immer besser, wenn ich sie anderen erzählen kann. Deshalb heißen sie wohl auch so. Alte Geschichten waren plötzlich neu.

Ich habe das Buch zunächst einfach mal beiseite gelegt und abgewartet, was so passiert. In mir und mit mir. Ziemlich schnell konnte ich über mich schmunzeln. Weil ich einfach nicht ehrlich sein wollte. Basta! Ich wollte immer Hausfrau und Mutter sein. Schon immer! Und deshalb bin ich jetzt total glücklich. So!

Aber nein. Bin ich nicht. Ich habe überhaupt keinen Spaß am Kochen und Hausarbeit im Allgemeinen. Hausarbeit ist ok. Kochen und einkaufen furchtbar. Was ich wirklich mit ganzem Herzen bin, ist Mutter. Ich bin wirklich dankbar, dass ich meine Kinder begleiten konnte, immer da war und immer noch bin. Das ist wirklich ein Privileg und ein großes Geschenk. Wenn da nicht das ABER wäre, das mir immer öfter ins Ohr flüstert...

Ich habe drei Ausbildungen gemacht zzgl eines angefangenen Studiums. Es ist nicht so, dass ich interessenlos bin. Aber ich möchte etwas tun, das mich erfüllt. Ganz und gar. Eine Passion. Ich will auch morgens aus dem Bett springen und mich darauf freuen, das zu tun, was ich wirklich tun möchte. Etwas, das mich treibt, was in mir brennt.
Nun bin ich nicht der Typ, der euphorisch aufschreit und zur Tat schreitet. Ich bin eher pragmatisch. Also ich setze lächelnd einen Fuss nach dem anderen aus dem Bett. Aber wenn ich das hinkriege, ist das für mich wunderbar. Ich bin intern euphorisch (kann man das so sagen?).

Natürlich sind Zufriedenheit und Dankbarkeit Haltungen, die nicht aus Umständen heraus entstehen. Das weiß ich. Aber trotzdem... irgendetwas fehlt.

Als ich mich mit meinem Mann zum Essen traf, erzählte ich ihm sofort von dem Buch. Er tat ziemlich desinteressiert. Aber während ich noch die Wäsche aufhing und andere haushaltliche Dinge erledigte, nahm er sich das Buch und las. Irgendwann fragte er mich, was denn jetzt genau bei mir diese Gefühlsregungen ausgelöst hätte. Er könne die an sich nicht so sehr wahrnehmen. Es fiel mir zunächst schwer, das alles in Worte zu fassen. Aber irgendwie sprudelten die Sätze dann doch. Und während ich so erzählte, merkte ich, dass ich immer nur versucht habe, einen Job zu finden, mit dem ich Geld verdienen konnte. Ich habe mich nie bemüht, das zu finden, was mich erfüllt.

Und dann sagte er es: 'Weißt Du noch, wie glücklich Du warst, als Du noch regelmäßig geschrieben hast?'

Ja, ich erinnerte mich plötzlich. Das stimmt. Schreiben erfüllt mich. Das Spiel mit Worten, Gedanken Raum zu geben. So vieles, was mich über den Tag beschäftigt, was mich bewegt, niederzuschreiben, zuende zu denken, macht mich glücklich. Und das läßt mich aufspringen und anfangen. Ohne TodoListe, ohne vorher eine Zeichnung zu machen oder zu überlegen, ob es jetzt wirklich sein muss.

Wieso habe ich damit aufgehört? Weil ich damit kein Geld verdiene?

War ich echt so dämlich? - Ja! Es sind nicht die Umstände, die glücklich, dankbar oder reich machen.  Es ist das, was in mir/Dir brennt.

Ob ich das Buch noch zuende lese? Keine Ahnung. Erstmal habe ich ganz viel mitgenommen. Mal sehen, was folgt....

Vielleicht liest es mein Mann ja weiter und findet für sich das, was ich für mich schon gefunden habe. Ein verschüttetes Geschenk!

Danke liebe Joanna für den Tipp! Meine Wahrnehmung ist an dem Buch hängengeblieben. Und so ist es wohl am besten, das mitzunehmen, was aufmerksam macht. Das ist das Geschenk. Das ist immer auch selektiv, aber bedeutsam. Das macht den persönlichen Weg aus. Das ist es, was prägt. Sovieles, was wir sehen, hören, riechen. Aber es sind die wenigen Dinge, die hängenbleiben, die prägen und das Muster ergeben, das wir mit unserem Leben weben. Diese Dinge sind kostbar. Manchmal ist es ein Mensch, der unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt, der bedeutsam ist, auch wenn es nur eine flüchtige Begegnung bleibt. Wer weiß, was sie letztendlich bewirkt. Es sind so oft die kleinen Dinge, die unser Leben prägen, die unbemerkten. Deshalb ist es wichtig, wachsam zu sein, den Moment zu (er)leben. Darin liegt alle Wahrheit, alles, was wichtig und von Bedeutung ist.

Manchmal nur ein Buchtitel und manchmal eben nur ein paar Sätze und manchmal dürfte ein Buch weit über die gefüllten Seiten hinausdauern...

Ich wünsche Euch einen erfüllten und aufmerksamen Tag,

Anke

Kommentare:

  1. Hahahaha...noch bevor ich bei der Stelle, in der dein Mann ins Spiel kommt, ankam, dachte ich 'Hä? SCHREIBEN? Das ist ja wohl glasklar, und zwar, seitdem ich dich kenne!'

    :-*


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  2. Danke Du Liebe,

    Danke, dass Du das immer wieder schreibst. Das bedeutet mir wirklich sehr viel!

    Einen dicken Kuß,
    Anke

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