Donnerstag, 26. März 2015

Verbunden






Gestern war ich bei einer Beerdigung.

Es war ein trauriger Gang. Mit 45 sollte niemand sterben müssen.

Etwas verloren saß ich in der Kapelle. Verloren und traurig. Vor vielen Jahren saß ich dort schon einmal. Damals in der ersten Reihe. Dort wo ein Zettel liegt 'für die Angehörigen'. Ich hatte Angst. Angst vor der Erinnerung. Angst vor der Trauer. Angst einen Vater mit seinen beiden Söhnen am Grab der Frau und Mutter sehen zu müssen.

Aber als ich dort saß, den Tod so unmittelbar vor Augen, wurde mein Herz so leicht und dankbar. Dankbar für mein Leben mit allem, was zu mir gehört.
Ich spürte die Liebe, die sich dort zwischen all den Trauernden einen Weg bahnte, alle herzlich einlud und tröstete. Die Verbundenheit war so wahrnehmbar. C. hatte einen Samen gelegt und ist für immer da. Ich habe das noch nie so tief in mir spüren können. Es war so tiefverwurzelt. Sie sind für immer in Liebe vereint.  Denn am Ende bleibt nur die Liebe.

Liebe hat so viele Facetten. Hier begegnete sie mir in einer nie erlebten Klarheit und Reinheit. Es gab keine Eitelkeiten, keine Bedingungen. Es gab nur sie.

Vor diesem Sarg begegnete mir das Leben. Das nieendende, das immerwährende Leben. Die Freude und die Gewißheit, dass alle Begegnungen meines irdischen Lebens ein einziges Geschenk an mich sind. Mein Mann. meine Kinder, meine Freunde... es sind alle kleine Lichtpunkt auf meinem Weg in dieser irdischen Zeit. Wir treffen uns, gehen auseinander... aber wir sind in Ewigkeit verbunden. In Liebe.

Der Pastor fand respektvolle, würdige Worte. Aber dann verlas er Bibelverse. Und plötzlich stand diese Trennung im Raum. Die Bitte an Gott, sich der Verstorbenen anzunehmen, zu vergeben, uns vom Bösen zu befreien...

Mich fröstelte.

Wie sollte unsere Welt anders aussehen, wenn wir Trennung und Dualität so akzeptieren und sogar anbeten? Dieses tiefe Fühlen von Verbundenheit und Einheit in diesem Moment des Abschieds. Sollte er ein Trugschluß sein? Aber wenn ich mir die Welt ansehe, dann ist das Außen doch eine logische Konsequenz unserer inneren Haltung, unseren Bewußtseins. Wieso halten wir an Dingen fest, die uns offensichtlich nicht nützlich sind? Warum versuchen wir keine anderen Weg?

Wenn wir uns getrennt von Gott sehen, wie sollten wir uns wirklich nahe sein, wie sollten wir Verantwortung übernehmen? Wenn wir das 'Böse' dem Teufel zuschieben und das Gute bei Gott lassen, wie sollen wir uns dann mit all unseren Facetten annehmen und uns annehmen in unserer Ganzheit. Warum versuchen wir nicht, alles in uns zu erkennen und zu lieben? Wer richtet denn?

Hat Gott uns nicht bedingungslose Liebe zugesichert? Wäre er 'gut', wenn er dann tausend 'Aber' daran knüpfen würde? Wo wäre das Wahre seiner Worte, wenn er ein größeres Ego hätte als eine Mutter, die ihre Kinder doch wohl auch trotz gelegentlicher Lästereien liebt?  Wo seine Allmacht, wenn er den Teufel nicht besiegen könnte und es dennoch nicht täte, um uns auf die Probe zu stellen? Wir hatten genau solche Persönlichkeiten in unserer Geschichte. Sie konnten nur auf eine kurze Anbetungsphase zurückblicken.

Versuchen wir doch zu glauben, was wir fühlen. Dass unsere Verstorbenen nicht verschwinden. Dass sie auch 'auf der anderen Seite' ihr Leben haben werden. Dass der Tod nur eine Veränderung ist. Aber dass wir in Gott verbunden bleiben. Dass das Böse ein Teil des Lebens ist. Ich glaube, wir haben alle mal etwas unfreundliche Gedanken. Lassen wir ihnen Taten folgen oder nicht. Das ist der freie Wille.

Aber in der Liebe sind wir immer. In Ewigkeit. Ich glaube, dem Versprechen, das ich tief in mir spüre. In solchen Momenten wie gestern. In der Meditation. Oder beim Abwasch. Sie sind oft da. Und ich geniße sie jedes Mal.Und bin dankbar. Für das eine Alles.

Und auch wenn ich doch sehr mit meiner Heimat  verwachssen und verwurzelt bin und Yoga eher was für die anderen ist. ;-) so finde ich einfach kein besseres Wort als

NAMASTE

Ich sehe das Licht in Dir - und mir. Es ist dieselbe Flamme in uns allen. Vielleicht der göttliche Funke.

In Liebe,
Anke

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