Donnerstag, 11. August 2016

Die Welt steht Kopf - oder?

So oft lese ich in den letzten Wochen und Monaten, die Welt stehe Kopf oder werde verrückt. Überall entsetztes Schreien und Rufen nach Ordnung, nach Schutz und Kontrolle.

Aber betrachten wir die Welt von fern, dann gibt es schon lange keine Ordnung mehr, steht die Welt auf dem Kopf und ist verrückt. Die Forderung nach Vergeltung und Gerechtigkeit... Auch die ist nicht neu.

Neu ist, und das erscheint uns verrückt, dass diesmal wir in unserer scheinbar sicheren Blase danach rufen müssen, dass wir uns in Angst und Schrecken versetzt sehen. Nun scheinen wir Willkür und Gewalt ausgesetzt.
Aber treten wir einen Schritt zurück, sollten wir erkennen, dass alles gerecht und logisch ist. Schon Grobi aus der Sesamstrasse hat versucht, uns das 'wenn dann' zu erklären. Und dann ist nichts überraschend. Dann passiert nichts unverhofft und plötzlich. Dann durchzieht alles ein roter Faden.

Wir haben die Wahl. Das Geschenk, das Gott uns macht. Jeden Tag wieder. Jede Sekunde unseres Seins. Wir dürfen hinschauen und demütig werden, über den Kreislauf des Immerwiederkehrenden. Wir dürfen uns zurücklehnen in der Gewissheit, dass wir aufgehoben sind in den Gesetzen der Natur. Dass Gerechtigkeit kein leeres Versprechen ist.

Die Wahl zu haben heißt, Konsequenzen zu tragen, Verantwortung zu übernehmen. Ja zum eigenen Tun und Aktzeptieren zu sagen. Erwachsen und Erwacht zu sein. Klar zu sein, Den eigenen Verstand und das eigene Herz wahrzunehmen. Und danch zu leben. Die eigene Wahrheit zu leben. Die Freiheit zu spüren, die hinter all dem steht.

Was für eine Verheißung! So viele gutgemeinte Kalendersprüche erzählen von Freiheit und von guten Gefühlen. Wir lesen sie so gern, Manche rühren uns zu Tränen.

Weil da ein Sehnen ist, etwas Unerfülltes. Weil wir alle tief in uns wissen, dass da noch mehr ist. Dass wir es könnten, wenn wir nur wollten. Immer. Zu jeder Sekunde könnten wir die Welt wieder in Ordnung bringen. Kein Mensch müsste in Angst und Schrecken leben, kein Kind müsste an Hunger sterben. Von jetzt auf gleich. Wenn wir es wirklich alle wollten! Mit ganzem Herzen und mit starkem Willen, mit einem neuen Bewußtsein und ganzer Liebe. Dann wäre das kein Problem.

Dazu müßten wir aber aus unserer Komfortzone treten, es wäre erstmal unbequem. Und vor allem würden wir Angst und Ego begegnen. In Reinkultur. Massiv und präsent. Sie würden sich massiv und unverhohlen zur Wehr setzen.

Lieber verstecken wir uns hinter Konventionen, machen es so wie immer, so wie alle. Passen uns an. Um Ausreden zu haben? Oder aus Angst vor dem Unbekannten? Wir beten halbherzig zu Weihnachten oder in schwierigen Zeiten, bitten um Hilfe. Dabei haben wir sie. Immer. In Ewigkeit.
Was ist mit 'Dein Wille geschehe', was ist mit der bedingungslosen Liebe? Was ist mit dem 'Ich glaube an den allmächtigen Gott', was ist mit 'Vater unser, der Du bist im Himmel'?
Was haben wir daraus gemacht? Wo ist der Glaube, wo ist die Gewissheit?

Sollten wir einem Vater trauen, der uns bedroht, der uns nur liebt, wenn wir in kritiklosem Gehorsam folgen? Wir würden uns wohl eher vertrauensvoll ans Jugendamt wenden.

Aus Angst vor diesem großartigen Versprechen, das unseren Verstand übersteigt, alles Vorstellbare sprengt, machen wir unsere Quelle klein und zu einem Egozentriker. Aus Angst beten wir das Bekannte halbherzig runter.

Aber mit allem Halbherzigen leugnen wir uns, mit allem 'weilmandassomacht' ignorieren wir, was in uns brennt.

So viele Menschen, die in Frieden leben möchten, die in Liebe getragen sein möchten, deren innigster Wunsch Vertrauen und Respekt sind...

Naiv wurde mein Stempel, ein müdes Lächeln ist mir schon oft begegnet. Aber ich 'sehe' das alles schon so lange. Weil es eben nicht naiv ist. Weil es die logische Konsequenz ist. Was sollte anderes geschehen, wenn Waffen wie Zuckerwatte in der Welt verteilt werden? Wenn Informationen gesteuert und kalkuliert verbreitet werden? Wie sollte die Welt anders aussehen, als genau so, wenn Menschen ausgebeutet werden für den eigenen Komfort? Wenn Länder ausgebombt werden und die Menschen sich in Sicherheit flüchten wollen? Was haben unsere Großeltern getan im und nach dem 2. Weltkrieg? Was würden wir tun? Nur weil wir nicht täglich davon hören (wollen), werden aber dennoch täglich Kinder und Frauen ermordet, verschleppt, ist Krieg überall. Wir leben im Krieg. Und wenn wir das nicht sehen wollen, finde ich, dann sind wir naiv. Die Welt ist nicht verrückt, wir sind verrückt, wenn wir das nicht sehen. Wir plündern und morden. Überall auf der Welt. Für schöne Blusen und den dekorativen Lifestyle. Aber es wird eben immer enger. Und das ist einfach nur logisch.
Wir wissen genau was zu tun wäre. Wir schauen seit den 90er Jahren mit Vorliebe Katastrophenfilme. Und schauen wir uns die Welt an - Seuchen und Naturkatastrophen sind nicht mehr nur Unterhaltung.

Die Frage ist, was fasziniert uns daran, Menschen leiden zu sehen? Was wollen wir erkennen? Unsere eigene Wohlfühlsituation? Was aber, wenn das alles Realität wäre  bzw ist? Roboter, die kognitive Fähigkeiten habe, die fühlen und denken wie ein Mensch stehen längst in den Fabriken bereit... Worüber wundern  wir uns? Wir lassen geschehen, lassen uns berieseln und ignorieren.
Und weil wir die Wahl haben, ist das in Ordnung. Aber dann haben wir die Konsequenzen zu tragen. Die Idee vom jüngsten Gericht... woher stammt sie? Nüchtern betrachtet ist sie genau das: Alles hat eine Konsequenz. Wenn - dann! Weil eben alles den Gesetzen der Natur unterworfen ist. Warum lehren wir Physik unsere Kinder, wenn wir dann doch versuchen, sie auszuschalten oder als ungültig zu ignorieren?

Ich habe Vertrauen in den Ursprung alles Seins. Das Wiederkehrende. Vielleicht befinden wir uns im Herbst und Winter, wo alles sich zerstört, die Bäume ihre Blätter vergiften, wo Kälte und Schnee über alles einen Mantel werfen. Damit im Frühling etwas Neues entstehen kann. Wo mit unbändiger Kraft und Schönheit alles in zarten Farben den Kreislauf fortsetzt. Alles von vorn beginnt.

Es braucht Zerstörung des Alten, um Neues entstehen zu lassen. Wir könnten wenn wir wollten. Dessen bin ich mir sicher. Nicht weil ich naiv bin, sondern weil uns alle die Sehnsucht nach Vollkommenheit trägt. Aber Vollkommenheit ist nicht auszumachen ohne Unvollkommenheit.
Und so versuche ich gleichmütig und in Gottvertrauen diese Zeit, in der wir sicherlich Weltgeschichte schreiben, zu erleben. Intensiv, berührt und das genießend, was wir als Geschenk derzeit noch haben - Freiheit, Wohlstand und Sicherheit. Ich bin zutiefst dankbar, wenn ich mich abends in Ruhe in mein Bett zum Schlafen legen darf. Das ist nicht selbstverständlich. Das ist ein großes Geschenk! Nichts ist selbstverständlich. Das Leben selbst ist das größte Geschenk. Und das jeden Tag aufs Neue.

Die Welt mag sich verdrehen, das Gemäuer wackelt und wird immer instabiler. Aber solange es steht, bin ich hier und dankbar für das, was in meinem Leben ist. Für Menschen, die mir nahe stehen, mit denen ich Tiefe erleben darf, die mit mir weinen und lachen, die in Zeiten der Angst und der Unsicherheit mit mir sind. Dankbar für ein kurzes Lächeln. Auch dankbar für die Menschen, die eine Herausforderung für mich sind, an denen ich wachsen kann. Dass ich alles wahrnehmen darf, in dem Vertrauen, getragen zu sein.

Ich vertraue nicht auf Konventionen. Ich hinterfrage sie. Und wenn sie sich für mich gut anfühlen, dann werde ich sie bewußt auswählen. Aber unbewußt zu sein, ist die Hölle. Dann führt etwas anderes mein Leben. Und dazu ist es mir viel zu kostbar!

Namaste! (Das schönste Wort meines Lebens - ich sehe das Licht in Dir)



PS: Eine kleine Erklärung: All das, was ich schreibe, schreibe ich aus tiefstem Herzen, beseelt und
geführt.
Ich bin ein Mensch, und damit fehlbar. Ich kenne alle Gefühle - die 'guten' und die 'schlechten'. Ich weiß, wie es besser wäre und halte mich nicht dran... Ich möchte keinen Finger erheben.
Es ist eine Energie, die ich weitergeben möchte. Jeder wird den Text anders lesen. Jeder wird anderes mitnehmen. So soll es sein!

Danke!