Mittwoch, 19. Februar 2014

... und dann kommt Laya



Bald... bald ist es soweit. Noch 9 mal schlafen. Dann endlich...

Wo soll ich beginnen? Vielleicht dort, als ich Hunde nicht mochte. Als ich nur eine Katze haben wollte. Einen Hund zu besitzen war für mich so weit entfernt wie die Sonne. Aber dann starb unsere Mutter. Mein Bruder war damals 13 Jahre, ein ziemlich blödes Alter für Trauerarbeit. Wir beschlossen ihm den angeblich besten Freund des Menschen an die Seite zu stellen. Nach einigen Wirren entschieden wir uns für einen Cocker Spaniel. Zum seinem Geburtstag holten wir ihn ab. Wieso auch immer, aber Tara war sofort meine. Wir waren unzertrennlich. Sie durfte sogar mit zur Schule kommen und unter meinem Tisch liegen. Jeder liebte sie. Sie schlief nachts unter der Decke an meinen Füßen. Musste sie raus, war das sehr bequem - Tür auf, Hund raus, Hund rein, unter die Decke, weiterschlafen. So war auch das Bett täglich frisch bezogen. Dass ich zu der Zeit allein mit meinem Bruder lebte, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zu erklären. ;-) Irgendwann war es aber doch ein wenig eng mit Hund zwischen den Füßen und den Befehl 'Tara, geh in dein Bett!' verstand sie sofort. Ihr Bett war die andere Seite des Ehebetts. (ja, ich hab vorausschauend gekauft!)
Irgendwann war aber klar, dass Tara nicht so wirklich ein Hund ist, jedenfalls nicht für mein Verständnis. Also beschützt habe ich mich nicht so wirklich gefühlt. Und so kam dann Boron ins Haus. Von einem Extrem ins andere hatte er eine Schulterhöhe von ca. 75 cm. Eher ein Pony als ein Hund. Zumindest war er rein optisch schon erstmal abschreckend. Ehrlich gesagt war er aber eher ein Rehpinscher gefangen im Körper eines großen Hundes. So ein Angsthase! Natürlich war Tara Chef.
Ein wenig später kam dann ein neuer Chef in Gestalt meines Mannes, der wenig Verständnis für unsere Rudelkonstellation hatte. Als erstes flog Tara aus dem Bett... Aber natürlich hatten unsere Freunde ihn schnell um den Finger gewickelt. Aber eben doch nicht so wie mich. Es war so unglaublich bequem. Die beiden waren nur für unsere Bedürfnisse erzogen. Ergo waren Besuche in der Stadt nicht möglich, besuchen konnte man auch niemanden. Wer läßt schon gern ein haarendes Pferd in sein Haus? Und gerecht sollte es ja sein. Also blieben beide Hunde zu Hause. Dann wurden unsere Söhne geboren und es wurde schwieriger. Boron als Hütehund bellte jedesmal wenn jemand in die Straße einbog. Da der Postbote täglich zur Mittagsschlafzeit kam, hatten wir schnell ein Postfach.

Tara hatte bevor sie ein Jahr alt war einen Bandwurm. Sie war damals schwer krank. Wir dachten kaum, dass sie überlebt. Vermutlich hat diese Zeit dazu beigetragen, dass ihre Entwicklung gestört war und sie nie läufig wurde. Bequem natürlich. Kein Rüde stand jemals winselnd vor unserer Tür... Irgendwann wurde sie wieder krank. Die notwendige Operation hat sie zwar überlebt, aber ihr Organismus war so geschwächt, dass sie ein paar Stunden später einschlief.

Ich habe mindestens zwei Tage lang geweint. Ich konnte nicht mehr aufhören. Und auch jetzt noch zerreißt es mir das Herz! Irgendwann legte mein damals Zweijähriger seine Hände schweigend auf meine Augen. Dieser Moment war magisch und ich werde ihn niemals vergessen. Darin lag die Weisheit des Lebens irgendwie...

Boron fühlte sich überfordert. Er konnte nicht Chefhund sein. Und irgendwann biß er unseren Sohn. Nicht aggressiv. Denn das hätte Melte sicher nicht überlebt. Aber ich verstand, dass er nicht mehr hier sein wollte. Tierschutz und Polizei, an die wir uns wandten, boten keine Hilfe. Aber es war Eile geboten. Unsere Tierärztin hat ihn dann vermittelt in eine Familie mit einem Kind, wo er noch tolle Jahre verbringen durfte. Als er mit 11 Jahren starb, riefen uns die Besitzer an und bedankten sich für die schönen Jahre, die sie noch mit ihm verbringen durften. Ich glaube, etwas Schöneres hätte ihm nicht passieren können.

Als Boron uns verließ, war ich mit unserer Tochter schwanger. Sie hat also keinen Hund kennengelernt. Aber als sie vier oder fünf war, sass sie auf ihrem Bett und sah mich flehend an: 'Mama, ich möchte einen schwarzen Hund haben. Und der soll Bimbo heißen!' aaaaaaaaarrrrrrggggghhhhh... Na, das hätt ich mal erleben wollen. *lach*

Aber irgendwie war ich auch wieder soweit... ;-) Ich hatte schon einen schwarz/braunen Cockerwelpen ausgesucht. Aber mein Mann wollte einem Hund in Not helfen. Schließlich waren wir ja auch mal in dieser Situation und waren froh, dass jemand Boron aufgenommen hat. Und so zog Flash bei uns ein. Er war wirklich eine Seele von Hund. Lieb und aufmerksam - ABER ER STANK!!!! Und nichts half. Wirklich nichts. Bis wir anfingen ihn alle sechs Monate zum Hundefriseur zu bringen. Für das Tier eine Tortour. Aber zur Belohnung habe ich zwei Tage mit ihm gekuschelt. Dann stank er wieder... Charlotte hat ihn geliebt und konnte das aushalten. Aber mir ist er leider nie so richtig ans Herz gewachsen. Auch wenn er keine Sekunde von meiner Seite wich. Er begleitete mich auf Schritt und Tritt (was manchmal seeeeeehr viel Geduld erforderte *zähnezusammenbeiß*). Als er kein Stöckchen mehr spielen wollte, wußte ich, dass es schlimm um ihn steht. Und so war es auch. Innerhalb von drei Tagen war er totkrank und die Tierärztin bat uns, ihn nicht mehr behandeln zu müssen. Er hatte offensichtlich einen Schlaganfall und einen Tumor im Kopf. So ist er dann in Charlottes Armen gestorben. Meine Tochter hat ihn wirklich toll begleitet. Sie war erst 10 und doch schon so groß.

Und dann flossen ihre Tränen. Immer wieder. Ein ganzes Jahr lang. Bis ich es nicht mehr mit ansehen konnte und meinen Mann zu einem Malteser überreden konnte. Er wollte keinen Hund mehr. Auf keinen Fall! Aber dem Blick seiner Tochter konnte er dann doch nicht ganz standhalten. Und so bekam sie zunächst zum Geburtstag einen Stoffhund. Leider machte ich den Fehler und erwähnte so beiläufig in einem Nebensatz: 'Das ist dann so ein richtiger Tussihund. Wir kaufen ihr dann schöne Schleifen...' Ok. Der Blick sagte alles. Wenn meine Tochter alles ist, aber auf keinen Fall ne Tussi. Auch unsere Söhne streikten ein wenig bei der Vorstellung wieder jeden Tag raus zu müssen.
Es dauerte nicht allzu lange und das Hundethema war vom Tisch. Charlotte entschied, dass es ihr zu viel Verantwortung sei und sie ja auch neben der Schule noch Zeit für ihre Freundinnen brauche.

Tja, und dann kam Loli... Mein Mann bat mich, den Hund seines Geschäftsführers für die Dauer einer Dienstreise zu betreuen... Dauerte es fünf Minuten? Ich glaube nicht. Sie hatte uns alle im Sack! Sofort! Über Rasse oder ähnliches hatte ich keine Informationen. Aber meine allwissende Freundin Noelle sah es sofort: Oh eine Vizsla Hündin.
Loli brachte mich überzeugte Couchpotatoe dazu täglich mit ihr mind. 6 km Runden zu drehen und den Wald zu erkunden. Mir schmerzten die Knie. Aber wir sind täglich losmaschiert. Und es war herrlich!

Bei einer der Spaziergänge stand ich im Wald und wußte: Genau das brauche ICH! Immer habe ich anderen Hundewünsche erfüllt, für die dann am Ende doch ich zuständig war.

Beim Abendbrot habe ich eine Ankündigung gemacht: 'Ich bekomme eine Loli!' Alle schauten kurz auf und sagten wirklich ernsthaft: 'Ja, ist gut.' Kein einziger Einwand, keine Argumente wieso das nicht geht. Es war abgemacht! Kein Widerspruch von meinem Mann. Im Gegenteil - er schien sich zu freuen.

Und dann sind wir losgezogen. Haben Züchter gesucht. Ich habe sogar ein süßes Hundebaby, obwohl es auf meinem Arm schlief, dort lassen können. Weil mein Herz nicht überzeugt war. Ich wollte es diesmal richtig machen. Und irgendwann haben wir dann Layas Mama kennengelernt. Sie war damals noch gar nicht läufig. Und es war ihr erster Wurf. Also niemand wußte wann und ob das alles auch klappt. Aber wir waren uns einig, dass sie die Mutter sein sollte.

Als dann endlich die Nachricht über die Schwangerschaft kam, war es ein wenig wie selbst schwanger sein. Und als um Silvester herum der Geburtstermin nahte, war ich mittlerweile fast schon ein Nervenbündel. Und das allerschönste - alle fieberten mit! Am 3.Januar habe ich das erste Mal nach einem Korb oder Kissen geguckt. Und abends kam dann die Info, dass 9 schwere Welpen geboren seien. Und dass wir in fünf!!!! Wochen kommen sollten, um die Kleinen kennenzulernen. Oh Gott! Zum Glück gab es immer wieder aktualiseierte Fotos... Es war kaum auszuhalten. Allerdings als wir da waren, um uns diese wunderschönen süßen Welpen anzusehen, war es gar nicht mehr so aufregend, sondern ganz natürlich irgendwie. Ich habe mich sofort in die größte der Welpen verliebt. Ich nahm sie auf den Arm und spürte es einfach. Mein Mann war von der Hellste verzaubert. Sie saß dort, während alle Geschwister schliefen, sah uns an und wollte los. Eine ganz neugierige süße Maus.
Ich fand sie auch bezaubernd. Aber ich hatte auch ein wenig Angst. So ein kesser Welpe fordert bestimmt auch. Und kann ich das leisten? Wir haben uns im Vorfeld schon so viele Gedanken gemacht, was darf sie, was soll sie können. Wir wollen es uns und ihr einfach machen. Sie soll uns begleiten können. Und dazu sind eben Disziplin und Erziehung notwendig. Vizsla sind Jagdhunde, d.h. sie brauchen viel Bewegung und wegen ihrer Intelligenz auf viel Beschäftigung.

Ich glaube, es ist besser, dann nicht den forschesten Hund auszuwählen. ;-) Außerdem habe ich einfach gespürt, dass die andere unsere ist. Sie wollte auch zu meinem Mann auf den Arm und hat sich dort gleich eingerollt (unterbrochen von Zitterattacken natürlich).

Ja, und nun kommt sie am 28.2.2014 zu uns.

Im Schlafzimmer ist ein großer Berg an Erstanschaffung. Es ist wirklich wie ein Baby zu bekommen. ;-) Genauso teuer und aufregend.



Dass ich mich freue, liest man hoffentlich. Zumindest zwischen den Zeilen...

Aber das Großartigste sind die Dinge, die seitdem passieren. Seit meiner Entscheidung meinen Bedürfnissen Raum zu geben. Nachdem die Kniee so schmerzten beschloß ich Sport zu treiben. Zeitgleich hat Esther einen neuen Weg eingeschlagen. Und als ich ein Foto von der neuen Esther sag, hat es mich gepackt. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen. Tja und seitdem gehen mein Mann und ich regelmäßig ins Fitnessstudio und machen Krafttraining. Ich bin so überwältigt wieviel Kraft in mir steckt. Ich wachse täglich über mich hinaus. Wahrscheinlich bin ich in der Pumperecke eher der Dinosaurier - für die jungen Typen uralt und dick. Aber egal. Mittlerweile haben sie sich wohl dran gewöhnt. Und mir macht es total Spaß! Fast artet es zur Sucht aus. Ich habe natürlich angefangen, die Frauengeräte zu benutzen - Fahrrad und ein bißchen Zirkeltraining. Aber seit ich mit meinem Mann trainiere, geh ich noch zehnmal lieber. Meine Kniee sind in Ordnung. Und ich habe keinen Zweifel mehr daran, dass Laya und ich irgendwann zusammen joggen werden. Die verlorenen 13 kg vermisse ich kein Stück! Ich hoffe, die restlichen 40 folgen noch. Und wenn nicht... Ich fühle mich so viel wohler mit mir und in meiner Haut. Die ollen Birkis sind aussortiert und hohen Schuhen gewichen. In Hilfiger fand ich einen Freund der etwas breiteren Füße! Und nach anfänglichen Unsicherheiten laufe ich jetzt fast ausschließlich hoch. ;-)
Und dann ist noch ein Geschenk auf dem Weg... Aber davon erzähle ich erst, wenn alles geklärt ist. Also schwanger bin ich nicht! Nein, es ist etwas anderes... Aber Geduld... ein wenig dauert es wohl noch.

Erstmal kommt Laya. Und es ist gut! Es ist eine gute Entscheidung!

Liebe Grüße,

Anke