Mittwoch, 4. Juni 2014

Und meistens kommt es anders...



Aaaalso, eigentlich war das so gedacht mit Laya.

Sie kommt, wir kuscheln, ich bin total verknallt, wir kuscheln weiter, spielen liebevoll miteinander, alle sitzen dumpflächelnd um den Hund. Und zwischendurch schreibe ich jeden Tag Liebeserklärungen hier auf dem blog...

ABER... genau! Die Realität hat mich eingeholt. Sie kam, zerlegte das erste Kuscheltier, pinkelte auf das neue, orthopädisch wertvolle und sündhaft teure Körbchen. Und eigentlich hörte sie nicht auf zu pinkeln. Den ganzen Tag hieß es Seen und Häufchen entfernen. Und ließ es die Kraft zu, mußten wir versuchen, zwischendurch ein unbändiges Temperatment zu bändigen. Die Nerven lagen ganz schön blank manches Mal. Das Gute war, dass ich von Anfang wußte, dass sie mein Hund ist und so gab es wenig Diskussionen, wer mit dem Hund was zu machen hat. Das war klar geregelt - ICH! Allerdings haben mich alle großartig unterstützt. Freiwillig arbeitet es sich wirklich lieber, habe ich festgestellt.

Was sofort klappte, war die Nachtruhe. Sie sollte ja theoretisch in der Box neben dem Bett schlafen. Aber sie weinte so schrecklich. Und ich wollte meinen Mann ja nicht in seinem Schlaf stören. Also durfte sie die erste Nacht neben mir auf ihrer Decke schlafen, in der Hoffnung, dass es niemand bemerkt. *hüstel* Morgens tapste sie wie selbstverständlich über meinen Kopf hinweg auf die andere Seite vom Bett, wo sie überraschenderweise fröhlich begrüßt wurde. Immerhin hatte sie da 8 Stunden geschlafen und nicht gepinkelt. Die Box blieb also die nächsten Nächte leer. Auch noch die übernächsten Wochen blieb sie verwaist. Mittlerweile schlief sie unter der Decke zwischen uns vor meinem Bauch zusammengerollt. Da die Nächte noch recht kalt waren, hab ich das seeeehr genossen.
Nun haben so Tiere ja die Angewohnheit schnell zu wachsen. Layas Beine wurden länger und länger und der Platz im Bett parallel dazu immer kleiner.
Da fiel meinem Mann die Box wieder ein... *schluchz* Ganze drei Nächte hat sie darin verbracht. Jeweils eine ganze Stunde sang sie manchmal sogar zweistimmig, bis wir sie ins Wohnzimmer trugen, alle Türen schlossen, um schlafen zu können. Sie wurde richtig krank. Naja... sie schläft wieder im Bett und wir werden vielleicht ein breiteres kaufen... ;-)


Mittlerweile ist sie weitesgehend stubenrein. Und auch sonst haben wir die erste sehr stürmische Zeit hinter uns. Und so langsam lernt sie zu akzeptieren, dass nicht sie der Rudelführer hier ist.

Ich wollte so unbedingt diesen Hund. Nur sie. Sie hatte mein Herz berührt. Und deshalb traf es mich so sehr, als sie anfing mich zu attackieren und zu beißen. Nein, sie wollte nicht spielen! Wir mußten sofort vom ersten Tag an mit der Erziehung beginnen. Kuscheln war nur selten. Sie brauchte klare Regeln. Aber damit habe ich selbst ein Problem. Laya war wild und aggressiv, sie rannte alles über, sprang im wahrsten Sinne des Wortes über Tisch und Sofalehnen. Der Beginn der Welpenschule lag noch ein paar Wochen vor uns. Ich wurde zunehmend hilfloser und auch wütender. Sobald das Haus außer Sichtweite war, war sie folgsam und ruhig. Sah sie das Haus, fing sie an in die Leine zu beißen, mich anzuspringen und eben auch zu beißen. Und das sah eher nach Kampfhund aus als nach Welpe. Wie gesagt, sie wollte sicher nicht spielen. Zuhause saß sie oft genug vor mir auf meinem Stuhl. Es war also deutlich, sie wollte klären, wer hier das Sagen hat.

Am schlimmsten war meine Unfähigkeit zu reagieren. Ich stand da und wußte nicht, was ich tun sollte. Aber es war ein ziemlich bekanntes Gefühl... Konfrontationen gehe ich eh lieber aus dem Weg. Verzweifelt rief ich eine Freundin an, bei der ich wußte, dass sie mich aus Erfahrung versteht. Und so war es auch. Laya stand gerade in ihrem völlig zerfetzten Körbchen inmitten Tonnen von Füllmaterial.

Und dann sagte Petra: 'Du willst sie nur lieben, oder? Aber einen Hund kannst du nicht mit Liebe erziehen. Du mußt ihr klare Grenzen setzen. Dann fühlt sie sich sicherer und ist entspannt.'

Mist! Genau das wollte ich nicht! Weil ich das schon bei den Kindern so schlecht konnte. Dass das Thema Grenzen mal zur Sprache kommen würde, war mir klar. Aber so? Mit Laya? Wo das doch Geschenk heißt... Aber gut. Ich hatte nur diese eine Wahl. Denn weggeben wollte ich sie nicht und einen bissigen Hund auch nicht. Also hab ich sie kurzerhand erstmal am Tischbein angebunden. Und siehe da, sie schlief ein und war entspannt. Das war sicher nicht die Endlösung. Aber erstmal ging es uns beiden besser. Beim nächsten Spaziergang habe ich mich vor ihr aufgebaut und bin ihr beim Hochspringen entgegengetreten und ihr bestimmt gesagt, dass sie mir zu folgen habe. Und... sie setzte sich hin und ging super neben mir nach Hause. Mehr hatte sie nicht gebraucht. Und damit begann eine ruhigere Zeit. Nicht nur das. In mir ist auch ganz viel passiert. Viele Puzzleteile setzten sich zusammen.

Und wie innen so außen ist das Wunder auch eingetreten...

Ich wohne in meinem Elternhaus, das auf dem ehemaligen Grundstück meiner Großeltern steht. Nach dem Tod meines Großvaters wurde sein riesiges Grundstück (ca 1 ha) verkauft. Da es vorher alles in Familiebesitz war, haben wir einen Teil des Gartens mitbenutzt, der eigentlich nicht uns gehörte. Damit alles so bleiben kann, hat meinen Mutter den Flurstücken aus denen das großelterliche Grundstück bestand, Wegerecht eingeräumt. Unwissend, dass der neue Besitzer das ganze Areal zerstückelt und verkauft. So wurde der Weg vor unserem Haus mehr oder weniger zur öffentlichen Straße. Mein Mann hatte immer das Gefühl, dass das Nachbargrundstück und unser zusammengehören. Und wir haben wirklich so oft überlegt, wie wir es schaffen, unserem Nachbarn sein Grundstück abzukaufen. Tausend Ideen aber keine Umsetzung. Und dann kam Laya... Anfang Januar kam unser Nachbar und bot uns einen großen Teil seines Garten zum Kauf an. Und nun ist das Wegerecht erledigt (lediglich ab und zu fährt einer der Nachbarn mit seinem Wohnmobil über den Hof). Wir können unser dann 2500 qm großes Grundstück komplett einzäunen...

Und da sind sie - die Grenzen!

Ja, wie innen so außen. Das ist meine Überzeugung. Und deshalb mußte das so passieren. 'Meine' Eiche gehört mir dann endlich ganz und gar. Darüber freue ich mich genauso wie über den Zaun. Und endlich gehört uns das Eichenlaub dann auch, das uns jährlich erfreut. ;-)

Es kommt so viel (Arbeit) auf uns zu. Wir planen, streiten, buddeln und zeichnen, wühlen Zeitschriften und sind aufgeregt wie kleine Kinder. Erstmal muss unser Nachbar aber das Grundstück freiräumen. Dazu braucht er noch ca. 8 Wochen sagt er. ;-) Aber auf die Zeit kommt es jetzt auch nicht mehr an... Seit ich 1993 hier wieder hergezogen bin, habe ich das Gefühl, irgendetwas 'richten' zu müssen. Vielleicht war es das. Oder weil ich im Grunde meines Herzens Gärtnerin werden wollte. Wo ich eher als Stadtkind gehandelt wurde. Aber da wohnt jetzt meine immer auf Bäume kletternde, wilde kleine Schwester. Und ich belackschuhte wohne im Garten.

Denn... meistens kommt es anders... Und am Ende ist es gut, und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht zu ende. (aus: 'best exotic marigold hotel')