Mittwoch, 6. Mai 2009

Wege


Wenn wir geboren werden, liegen so unendlich viele Wege vor uns. Tausend und abertausend Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen. Viele haben wir unbemerkt getroffen, sind abgebogen, ohne die Kreuzung überhaupt zu bemerken. So erscheint es uns jedenfalls zurückblickend. Aber sie war da - die Kreuzung. Und wir haben entschieden, in Sekundenschnelle. Und wir sind auf diesem Weg weitergegangen. Die folgenden Entscheidungen waren meist logische Schlussfolgerungen der vorhergegangenen.
Die einen schnell die anderen später stellen manchmal fest, dass sie die ein oder andere Entscheidung vielleicht hätten revidieren sollen und umkehren. Warum auch immer und wann auch immer wir uns für einen Richtungswechsel entscheiden. Wir sollten innehalten - kurz oder lang. Die Entscheidung liegt bei uns - immer! Eingebunden in so viele Eindrücke, Umstände, Abhängigkeiten erscheinen uns manche Entscheidungen falsch oder sinnlos. Die Frage ist doch aber - was ist falsch oder sinnlos? Wenn unsere Entscheidungen uns falsch erscheinen, wir sie aber wieder und wieder treffen, dann doch vielleicht nur, weil wir nicht aufmerksam mit uns umgehen und das Innehalten, das Zuhören versäumt haben, uns einfach dagegen entschieden haben. Es gibt keinen 'falschen' Weg - es gibt nur einen anderen Weg.

Unser Geist ist sehr vielschichtig. Er hat gelernt zu urteilen, zu werten. Und so wertet und urteilt er auch unsere Entscheidungen. Er maßt sich an zu richten. Und je nachdem maßregelt er alle unsere Taten. Wir werden selbstkritisch - basierend auf verstandesgemäß Erlerntem, auf dem, was wir als Gut oder Böse akzeptiert haben. So werden wir zu unserem eigenen Henker.
Aber wir sollen uns verzeihen! Bis in jede Zelle - VERGEBUNG! Denn nur weil das Resultat nicht perfekt ist, dem Zeitgeist unterliegenden Normen nicht entspricht, so waren doch alle Entscheidungen Schritte, die zu uns gehören. All das ergibt uns - unsere Gedanken, unsere Wertungen, unsere Liebe. Vertrauen ist der erste Schritt in die Vergebung. Vertrauen darauf, dass wir nicht richten und werten MÜSSEN. Dass 'richtig' und 'falsch' menschliche Einrichtungen sind, die zum Funktionieren von Gemeinschaft als sinnvoll erachtet wurden.

'We are born to shine!'

Deshalb machen wir uns auf den Weg - ins Licht! Ohne Richter, ohne Bewerter - ein jeder geht seinen eigenen Weg. Dann scheinen wir, dann sind wir Lichtbringer! Frei von Urteil und Konvention ist uns jemand voran geschritten, sind uns viele voran geschritten. Nicht weil sie ein Gefolge brauchten, sondern weil sie einen Weg aus dem Urteil und 'Vorschriften' zeigen wollten. Manche nutzen sie für neue Konventionen, andere nutzen die in den Worten liegende Freiheit. Jeder trifft seine Entscheidung. Und lernt auf sich zu hören. Wir starten nicht alle am selben Ort und wir gehen nicht alle den selben Weg. Das ist für mich das Geheimnis, die Herausforderung und der Sinn dieses Lebens - meine Entscheidungen zu treffen, mir zu verzeihen und zu vertrauen. Vertrauen zu haben darin, dass es kein Urteil, kein Richten oder Ablehnung gibt - weder im Leben erst recht nicht danach.

Kommentare:

  1. So wundervoll !!! Ich habe deine Worte nun schon 2 mal gelesen, und auf mich wirken lassen... und kann dazu auch gar nicht mehr viel schreiben... einfach wundervoll!!!
    Kussi Deine Esther - die glücklich ist, Dich, auf ihrem Weg getroffen zu haben!

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  2. Liebe Anke!
    Wie wunderschön!!
    Wie oft bin ich den falschen Weg gegangen, habe mich manches Mal auch verirrt... und doch war es irgendwie mein Weg, er war richtig...ich hätte gar nicht anders gehen können...
    Auf jedem meiner Wege habe ich etwas mitgenommen, das mich werden ließ...
    Oje, ich glaube, ich lese das Geschriebene lieber nicht mehr durch, sonst gerate ich noch in die Gefahr, es wieder zu ändern oder gar zu löschen...
    Liebe Anke, es ist immer so wunderbar, Deine Posts zu lesen, auch wenn ich es Dir schonmal geschrieben habe, so muss ich es doch noch einmal loswerden...
    Ganz liebe Grüsse,
    Manou

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  3. Falsche Wege...gibt es die?
    Wäre man einen, diesen Weg nicht gegangen, was hätte ,man dann anders gemacht, was WÄRE jetzt anders? Das wissen wir nicht, denn den anderen Weg sind wir ja nicht gegangen.
    Auch "schlechte" oder "falsche" Wege geben einem ganz viel. Die Erfahrung. Das etwas zB für uns nicht gut war. Also haben wir daraus gelernt.
    Erst wenn man im Kreis läuft, immer wieder an der gleichen Weggabelung den gleichen Weg einschlägt, dann sollte man von "nicht sinnvoll" reden. Man kommt nicht weiter. Stagnation. Eine Zeitlang hilft es, in der Zeit des "im Kreis laufens" über vergangenes nachzudenken. Aber nicht immer, nicht zu lange. Sonst traut man sich irgendwann nicht mehr, den anderen Weg einzuschlagen.

    Danke für Deine wunderbaren Zeilen, die mich nal wieder zum nach-denken angeregt haben.

    LG
    Nani

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  4. Liebe Anke,
    du hast wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen ;o))
    Hör dir das http://www.youtube.com/watch?v=tP0jiVDCymE
    mal an...........
    ICH LIEBE ES!!!

    LG
    Isa

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  5. Liebe Anke
    Schau mal in meinen Blog... vielleicht hast du Lust? ;-)
    LG
    Claudine

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  6. liebe anke,

    wie recht du hast und wie gut du das alles beschreibst ! ich denke auch, dass jeder von uns dazu kommen muss sich selber richtig wahrzunehmen, sich selber zu verstehen und sich BEWUST sein..der einer wird es früher, der andere später können, auf jeden fall scheint es mir zu dauern, bis man RICHTIG AUFWACHT..aber ich bin dankbar für dieses aufwachen und bewustsein ! hätte ich deine worte vor 5 jahren gelesen, hätte ich sie nicht so verstanden, wie heute !
    danke liebe anke
    und viele liebe grüße
    von barbora

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