Donnerstag, 11. Februar 2010

Manchmal

ist das Erlebte, das Gelesene, das Gesehene unerträglich. Wir gehen in die Verdrängung, lenken uns ab, reagieren uns ab oder wir spalten das Unsäglich. Schauen uns lieber wilde Blogbuster, Tatort, CSI irgendwas an, schieben Brutalität und Gewalt auf die Leinwand, in eine künstliche Welt. Wir schauen sie uns lieber dort an, wo wir per Knopfdruck weg-, um- oder abschalten können. Dort ist es nicht in unserer Realität, dort ist es außerhalb unseres Lebens.
Es ist notwendig und sicherlich auch gesünder, sich nicht ständig das Leid in der Welt vor Augen zu halten, den Blick auf das Schöne und Gute zu lenken. Ich bin davon überzeugt, dass das, was wir in unser Bewußtsein lassen, größer wird und lebendiger.

Gerade deshalb empfinde ich es als so wichtig, die Dunkelheit ins Licht zu holen. Dann kann sie uns nicht mehr überrumpeln, bestürzen, aus der Fassung bringen. Und wir müssen ein Bewußtsein entwickeln, dass ein Mensch immer Licht und Dunkelheit in sich trägt. Denn auch der ausgefeilteste Blockbuster, der gruseligste und spannendste Film entspringt dem menschlichen Bewußtsein. Ich möchte hier nicht Ankläger sein oder stigmatisieren. Stephen King - ich kenne ihn nicht - lebt vielleicht ganz unbescholten,unauffällig und 'normal' mit seiner Familie in einem Haus. Dennoch hat er Seiten der menschlichen Psyche gezeichnet und beschrieben, die jenseits der Vorstellungskraft liegen (leider muss ich hier als Laie schreiben und mich auf die Beschreibungen von Bekannten verlassen, da ich nach drei Seiten lesen von 'Shining' das Buch ängstlich wieder ins Regal zurückstellen mußte.) Was ich aber damit sagen möchte, wir 'erkennen' das Böse nicht sofort. Und niemand trägt nur 'Böses' in sich. Wie oft fragen wir uns, so ein netter Mensch, wie konnte das nur passieren? Ursachenforschung in allen Ehren - aber es konnte eben einfach geschehen, weil wir Menschen sind. Hören wir doch auf zu leugnen. Wieso machen wir uns zu Gutmenschen? Wir beklagen dann einen Teufel oder eine dunkle Macht, die abgespalten von uns wahllos agiert. Wenn wir Glück haben, erkennen wir sie sofort. Pech hat dann der, der eben mal unaufmerksam ist? Wir konditionieren uns mit Schlüsselworten, die uns dann als 'gut' oder 'böse' entlarven sollen. Entspricht das Verhalten, das Gesagte nicht 'meiner Wahrheit' ist der Teufel am Werk.
Dass diese Rechnung nicht aufgeht, zeigen die aktuellen Nachrichten. Skeptiker haben endlich einen triftigen Grund gefunden, endlich aus der Kirche auszutreten. Aber was ist mit all, denen, die vertraut haben? Entweder sie fallen in ein tiefes Loch oder sie verdrängen. Beides ist kein bewußter Weg. Wenn wir endlich doch mal anfingen, 'gut' und 'böse' zu vereinen. Wieso schufen wir Gott und Teufel? Weil wir diese Zerrissenheit nur schwer ertragen können. Waren wir nicht alle mal so wütend, dass wir gern mal zugeschlagen hätten? Ich glaube schon. Wir haben die Wahl, es zu tun oder nicht. Aber wenn ich nicht weiß, dass Wut einfach auch nur ein Gefühl ist, dass zu mir gehört, wie soll ich dann mit ihr umgehen, wenn sie plötzlich in mir steckt? Bin ich dann vom Teufel besessen? Stärker und wesentlich effektiver kann ich doch mit ihr umgehen, wenn ich weiß, das ist Wut und auch wenn ich jetzt zuschlage, ändere ich nichts an der Situation, als mich von einer 'fremden Macht' ausgeliefert zu fühlen, gegen die ich machtlos bin.

Wir sind nicht machtlos. Wir haben ein Bewußtsein und ein Überlebenspotential, das uns unterscheiden läßt, was uns zuträglich und was uns weniger zuträglich ist. Wir können uns vertrauen. Und wir können dazu stehen - ohne Angst.
Die Realität sieht aber oft anders aus. Wir bemerken Gewalt und trauen uns so wenig über den Weg, so dass wir uns hinter Floskeln verstecken. Und wir schauen weg, wollen diese Seite menschlichen Daseins nicht sehen.

Aber es gibt sie nunmal. Und es gibt sie vor allem dort, wo wir sie überhaupt nicht sehen wollen. Wieso konnte sie sich dort so starkt ausdehnen und im Dunkeln tätig werden? Da, wo Recht gesprochen werden soll, dort wo Menschen zur Eigenständigkeit geführt werden sollten, dort wo Kinder in Liebe lernen sollten, sich entfalten und auf den rechten Weg gebracht... Dort kann unsere dunkle Seite bestens agieren, denn hier sind wir noch schneller bereit, zu verdrängen. Wer möchte schon sein Weltbild in Frage stellen?

Besonders in religiösen Kreisen, dort wo eine klare Grenze gezogen wird - entweder gegen oder für mich - dort, wo Verleugnung in Vollendung gelebt werden sollte (so unsere Vorstellung). Dort wütet der Kampf am stärksten. Ich kann es sogar verstehen. Wer kann schon immer seinen Heiligenschein wahren?
Selbst der ordentlichste Mensch hat seine Kruschelecken oder - schubladen. Das ist menschlich und wir finden es doch auch durchaus sympathisch. Jemand, der perfekt ist, ist uns oft auch suspekt.

Ich denke, unsere gewaltsame, laute, aggressive Seite macht uns auch menschlich. Wenn wir existieren lassen, werden wir feststellen, mit ihr können wir auch durchaus positiv leben. Sie kann uns Selbstbewußtsein geben, sie kann uns mutig machen, sie kann uns endlich sagen lassen, was in uns steckt. Wie könnten wir ohne Aggression essen? Ohne dieses Bewußtsein könnten wir kein Fleisch essen, spielen, Ehrgeiz entwickeln. All das bedarf gewisser Aggression. Es kommt doch darauf an, wie wir mit ihr umgehen. Aber wenn wir sie leugnen, bricht sie aus und wird unkontrollierbar.
Als Gesellschaft sehen wir uns als Einheit. Also müssen wir einen Beitrag zu unserer Gesellschaft zu tun. Und wir dürfen nicht mehr wegsehen.
Wir versuchen unsere Kinder zu schützen, gegen Übergriffe auf der Straße. Aber die meiste Gewalt gegen Kinder geschieht zuhause, ausgeführt von Mutter und Vater.
Wir müssen uns selbst stärken. Und zu uns stehen. Sonst werden Gewalt und Missbrauch abgespalten und in eine dämonische Ecke getrieben. Aber sie sind ständig und überall unter uns. Sie sind für viel zu viele Realität.
Ich möchte hier keine Anklage erheben, zu speziell und unterschiedlich sind die Umstände, die zu solchen Taten führen. Viele Täter waren selbst Opfer, viele können mit ihrer Macht nicht umgehen, sind mit sich überfordert... Ich plädiere auch nicht für eine Tätergesellschaft, zu der wir immer mehr werden.

Ich sehe einfach nur immer mehr Unfähigkeit mit Verbrechen, Gewalt und Missbrauch umzugehen. Und ich würde nicht darüber schreiben, würde ich es können. Ich sitze auch mit im Boot.
Aber ich habe eine Seite in mir auch immer geleugnet, habe meiner Schwester nicht geglaubt, die sie immer sah. Und mir wurde genau so ein Nachbar an die Seite gestellt, der diese Seite in mir ansprach. Er war oberflächlich gesehen der Täter, der, der mich immer anbrüllte sobald er mich sah. Aber nachdem ich diese Seite in mir akzeptiert habe, verstehen wir uns gut und gehen respektvoll miteinander um. Meine Wutausbrüche sind seitdem verschwunden. Ich habe es einfach nur akzeptieren müssen, dass ich neidisch war und auch einfach mal sagen wollte, was mich bewegte. Nicht immer nur nett und höflich sein. Sondern zu mir stehen.

Wie innen so außen! so hat es schon Goethe gelehrt.

Für mich ist es sehr wertvoll, unser Sichtweise zu überdenken, uns bewußt zu werden und zu akzeptieren. Die Angst hält uns davon ab. Aber die ist überwindbar - wenn akzeptiert. ;-)

Ich wünsche allen einen ehrlichen Tag und ganz viel Liebe,
Anke

Kommentare:

  1. Ich danke dir für das aufschreiben dieser Worte!
    Aus tiefsten Herzen, und du weißt warum!

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  2. Ich bewundere dich für deinen Ausdruck....und vielen Dank für diesen Text...

    LG
    Artista

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  3. wow, das war ein grosses stuck gefuhlen was du hier geschrieben hasst. Vieles erkenne ich, kann ich dir nur sagen, du hasst recht. Ich weis nichts von dein leben aber ich denke da hasst du ein schweres stuck hinter dir um so etwas auf schreiben zu können? Hut ab, das ist sehr muttig. Kannst du stolz auf sein. Viel gluck und Freude in deinem leben, lg, Jeany

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