Montag, 1. März 2010

Beseelt



Ina tritt auf, dann kommt Josef dazu, mit Rautenpullover und Hornbrille, Leonie im orangefarbenen Strickjäcken begrüßt beide strahlend und hat auch keine Scheu, die grimmigdreinschauende Sally, die sich zu den Dreien gesellt, zu begrüßen.
Sie vier stehen vor einem Schloss und überlegen wie sie hineingelangen könnten. Eine Tür ist nicht zu entdecken und die Fenster liegen zu hoch... Josef beginnt das Gespräch mit der Frage, ob die anderen auch eine Einladung zum fraglichen Termin bekommen hätten. Während die anderen bejahen, öffnet sich wie von Geisterhand knarrend eine Tür. Sie treten ein. Eine hektische Haushälterin begrüßt sie und erklärt in zwei Sätzen den Weg durch Schloss... Mir geht es wie Sally - ich weiß nur noch '... durch diese Tür'. Anders als Josef, der dank photografischen Gedächtnis die anderen drei führen kann. Sie betreten den schwarzen Raum. Hier sprechen und tanzen die Angst, die Einsamkeit und die Traurigkeit, warten auf die Eintretenden und lassen sie spüren. Die einzige, die sie nicht berühren können, ist die immer fröhliche Leonie. Sie lacht und strahlt und nimmt die Atmosphäre des Raumes erst wahr, als sie von Sally gefragt wird, wann sie denn das letzte Mal geweint habe. Da erinnert sich Leonie an ihren entflogenen Wellensittich und ist bereit, sich ihrer Traurigkeit zu stellen. Sie verlassen den Raum wieder....
... und landen im gelben Raum. Hier ist gute Laune angesagt, alle tanzen freudig, die Stimmung ist grandios. Als die Tänzer die Bühne verlassen haben, schreit Ina plötzlich 'MANNNOOOO'! Verständnislos schauen ihre Begleiter sie an und fragen, was genau der Grund ihres Ärgers ist. Naja, das hat ihr solchen Spaß gemacht und sie sei ärgerlich, wieso sie diese Energie nicht schon viel früher zugelassen habe. Alle sind froh, dass sie Namen 'totalegalIna' nun wieder streichen können und gehen weiter.
Josef und Sally betreten zunächst allein den roten Raum, wo sie nach einem gelungenen Tanz vom Engel und Teufel begrüßt werden. Der zauberhafteste Liebesengel versucht die beiden näher zu bringen, was der kleine Teufel sehr überzeugend versucht zu unterbinden. 'Die mag Dich sowieso nicht!' Die grimmige Sally begrüßt die eintretenden Leonie und Ina mit einer Umarmung. Ihre Worte 'ich habe Euch schon so vermißt!' macht die Verwirrung komplett. Sally singt die deutsche Fassung von 'Valerie' - 'Ich bin verliebt'. Danach ist allen die vom Engel erbetene Pause gegönnt.
Zwischen den Räumen ringt die Haushälterin mit dem Grafen Nebelschlucht, der immer wieder einschläft und die arme mit literarisch zweifelhaften Rätselreimen zur Verzweiflung bringt. Sie muss ihn immer wieder wecken 'Graf Nebelschlucht? Herr Graahaaf!' - und er erwacht immer erst auf ihr zärtliches 'Schluchti', kann sich dann an nichts erinnern. Sie reimt auf die Schnelle und legt ihm diese als die seinen in den Mund. Graf Nebelschlucht ist immer wieder erstaunt und begeistert von sich und seiner Dichtkunst.

Nach der Pause durchbricht Josef seine Mauer aus Wissen und Fakten und läßt im blauen Raum Gefühle zu. Im lila Raum lassen alle ihr altes Ich zurück.
Dann endlich begegnen sie auch Graf Nebelschlucht, der sich vorstellt und sich als Verantwortlicher gekennt. Er läßt seine Haushälterin die bereitgestellten Geschenke verteilen. Leonie kam als Mädchen, das ihre Traurigkeit hinter Fröhlichkeit versteckt hatte. Aber sie fand den Mut sich diesem Gefühl zu stellen. Josef, das wandelnde Lexikon war bereit zu fühlen und wurde mit Freundschaft belohnt. Niemand hätte gedacht, dass die grimmige Sally jemals so liebevoll lächeln kann und sich gerade in Josef verliebte. Ina war die erwachte Lebensfreude anzumerken und niemand hielt sie mehr für gleichgültig.
Bevor sie dazu kommen, ihr Geschenk auszupacken, verschwinden Graf und Haushälterin samt Schloss. Verdutzt bleiben die vier zurück. Und nachdem sie ihren Schrecken überwunden hatten, öffneten sie ihre Kästchen. Darin fanden sie Zettel mit ihrem jeweiligen Namen.

Sie waren ihr eigenes Geschenk!

Josef bekommt Hunger und Sally lädt alle zu sich nach Hause zum Pizzaessen ein. Alle singen gemeinsam 'Du hast nen Freund in mir!'.

Tosender Beifall, standing ovation und eine grandiose Zugabe...

Mir standen schon bei der Overtüre die Tränen in den Augen... Eindrucksvoll wie die Kinder der Musicalkids des TTW dieses Stück über Gefühle darbrachten. Mein Sohn mittendrin. Ich habe mir die Vorstellung alle vier Mal angesehen. Jede war ausverkauft. Und das zu recht! Es war grandios, was die 30 Kinder im Alter von 9 bis 15 auf der Bühne zeigten. Faszinierend wie die Putzkompanie ohne Musik zu ihrem eigenen Sprechgesang tanzten. Die Haushälterin, die den schmalen Grat zwischen Parodie und Kitsch vollkommen wunderbar beschritt mit ihrem leicht hysterischen Lachen. Die Sängerinnen, von denen Dieter Bohlen wohl hoffentlich auch weiterhin träumen muss. Wenn ein zartes Wesen von 10 Jahren singt '... Dein Herz vergißt was peinlich ist, kommt geh den nächsten Schritt.', muss wohl jedes Herz schmelzen.

Nach der Premiere am Freitag gab es Pizza für die Tänzerinnen und Tänzer mit ihren Angehörigen. Als alle satt waren, sprang mein Herz fast über: Alle Kinder formierten sich und tanzten den Stress der letzten Wochen und Tage einfach weg. Ich fühlte mich wie in 'Fame'. Wunderbar diese Gemeinschaft zu erleben. Die Großen und die Kleinen, Junge oder Mädchen - sie gehören einfach zusammen. Keine Konkurrenz, keine Berührungsängste... Tanzen verbindet! Das zeigten sie eindrucksvoll.

Jeder Kilometer, jede gewartete Stunde haben sich am Ende total gelohnt. Bei der letzten Vorführung gestern wurde ich plötzlich ganz traurig, weil es nun erstmal vorbei ist. Wie sagte Cinzia so treffend: 'Es macht süchtig!' - Ja genau - und heute bin ich auf Entug! ;-)

Aber nächsten Monat beginnen die Vorbereitungen für das nächste Stück. Und 1,5 Jahre... die gehen schnell vorbei! ;-)) Ich freue mich heute schon!

Tausend Dank an alle, die mir ein erfülltes, lehrreiches und wunderschönes Wochenende beschert haben!

1 Kommentar:

  1. Es muß wunderschön gewesen sein. Du hörst Dich so begeistert an.
    Toll, daß die Kids mit Freude dabei sind und über eine so lange Zeit dran bleiben.
    So wie Du es erzählt hast, hätte ich es gerne miterlebt.

    LG Gela

    AntwortenLöschen