Donnerstag, 17. Dezember 2009

12 Jahre






12 Jahre glänzende und strahlende Augen

12 Jahre Glück

12 Jahre Lachen

12 Jahre Vollkommenheit

12 Jahre Wegweisung

12 Jahre zarte Rebellion

...

Heute ist Malte 12 Jahre alt. 'Endlich!' - war seine erste Bemerkung heute morgen um 5.50 Uhr. Soooo lange hat er darauf gewartet, endlich Spiderman sehen zu dürfen. ;-) Ihm ist noch nicht klar, dass wir da auch noch ein Wörtchen mitzureden haben.

Er war das erste Baby, das mir in den Arm gelegt wurde. Ich hatte von einer 'kuscheligen' Geburt zuhause geträumt. Er befand das als nicht das Wahre, drehte sich einmal um - und kam per Kaiserschnitt zur Welt. Als ich ihn das erste Mal sah, war er frisch gewaschen und gekleidet, lag in den Armen seines Vaters und schlief.
Er war ein fast zu friedliches Baby, genügsam und zufrieden. Auf der Säuglingsstation wurde er das Vorzeigekind - und ich war zum Platzen glücklich und stolz. Er war ein wunderschönes Baby, roch perfekt und ich rang ihm das Versprechen ab, dass er immer den Mund so süß zusammenzieht, wenn er müde ist (bis heute hält er sich dran).

Schnell war mir langweilig mit ihm - er schlief nur. Gab es nicht beim ersten Schrei etwas zu essen, schlief er weiter. Alle frischgebackenen Mütter waren völlig gestresst - ich hingegen war total relaxed. Was mich dazu bewog, nach einem Jahr auf ein zweites Kind zu hoffen. Dieser Wunsch sollte sich sofort erfüllen. 9 Monate nach Maltes ersten Geburtstag kam Tjelve zur Welt. An seinem Bruder hat Malte wenig Interesse. Seine Liebe galt Bobbycar und 'brrrritas' (Autos). Er hatte immer mindestens vier Autos im Arm. Auch beim Essen! Da er schon immer ein sehr schlechter Esser war, mußte ich die Lieblinge am Tisch verbieten. Es war sinnlos - bis ich ihm androhte, alle Autos in den Müll zu werfen, wenn er die Spielerei nicht lassen würde. Tja, und da kam mein Sohn zum Vorschein. Er spielte weiter - und ich mußte konsequenterweise alle Autos (natürlich von Siku) in den Müll werfen. Das nahm mein Sohn mit einem Lächeln und Achselzucken zur Kenntnis - und wandte sich einem anderen Spielzeug zu. DAS hat er mich wirklich gelehrt. Alles ist vergänglich und ersetzbar.
Und so ist er auch geblieben. Vielleicht wird er deshalb so mit Geschenken überschüttet. Weil er nichts 'will' oder 'braucht'. Er ist zufrieden - mit sich und der Welt.
Schnell zeigte sich, dass er auch sonst 'anders' war. Die Diagnose: 'Wahrnehmungsstörungen'. Eine Odysee von Therapeuten und Therapien begann. Die Erzieherin im Kindergarten sagte zum Abschied: 'Ach, es muss eben auch Maurer geben.'
Maurer??? Dieses Kind, das nicht mal einen Stein heben konnte, sollte Interesse haben, Maurer zu werden? Naja, ich verstand, was sie mir sagen wollte...

Ich habe dann einfach beschlossen, dass mein Kind überhaupt total in Ordnung ist und ich weiß, dass er mit seiner Art seinen Weg gehen wird. Ganz gewiss! Er ist mit Narkoseschock geboren, hatte mit 11 Monaten das Kawasaki-Syndrom - und hat sich trotz allem super entwickelt. ER hat bestimmt, wann er schaukelt, hat geschrien, wenn wir ihn vorsichtig auf eine Schaukel setzen wollten und sass irgendwann mit vier allein drauf und schaukelte ohne Anschupsen und Hilfe. Als alle seine Freunde begannen Fahrrad zu fahren, stand er lächelnd daneben und sah zu. Er hat sich mit sechs auf ein Fahrrad gesetzt und ist einfach losgefahren. Immer etwas später als alle anderen, aber immer unbeirrt hat er selbst entschieden, wann 'seine' Zeit war.
So war es mit dem Füller, dem Fahrrad, der Toilette und all den Dingen, die wir in 12 Jahren so zu lernen haben.
Im Zoo sagte er zu meiner Schwester: 'Oh ein Adler.' - Sie erwiderte: 'Nein, das ist kein Adler, das ist ein.... blablabla....'Er stand still neben ihr, ließ sie (lange) ihre Erklärung geben, sagte nur kurz: 'Doch, es ist ein Adler.' - und schob die Verblüffte vor ein Schild auf dem stand: 'Adler'. (Er konnte damals noch nicht lesen.)
Wenn er etwas abgespeichert hat, steht das fest. Leider auch, wenn er meint, das Haus mit DoppelS geschrieben wird. ;-)

Nun ist er 12 Jahre alt! Ich kann es nicht fassen. Wir haben einen wundervollen Weg miteinander zurückgelegt. Nicht immer hürdenfrei - aber letztlich selig und dankbar.

Mein Sohn, ich wünsche Dir von Herzen, dass Du den Mut und die Unbeirrbarkeit nie verlieren wirst. Du hast so viel geschafft - mehr als Kinder, die einen leichteren Start hatten. Dein positives Wesen, Deine unverblümte Ehrlichkeit, die manchmal schmerzt, Dein Lachen und Dein Charme - für all das bin ich so dankbar. Dankbar, weil Du mir den Weg ins Leben gezeigt hast.

Ich weiß, dass jetzt die Zeit kommt, in der Du Deinen Weg immer mehr allein gehen wirst. Mein Vertrauen in Dich war immer so groß und wird es weiterhin bleiben.
Du machst das schon, mein Großer! Ich liebe Dich!

Kommentare:

  1. Liebe Anke,
    Dein heutiger Post hat mich zu Tränen gerührt! Malte kann froh sein, dass er so eine tolle Mama hat. Ich kann vieles nachvollziehen. Mein Sohn (im November 12 geworden) hatte auch einen schwereren Start als andere und auch ich habe viele Krankenhäuser und Ärzte kennen gelernt. Heute ist alles gut und er ist ein tolles Kind. Ich wünsche einen wunderschönen Geburtstag und alles Liebe.
    *Kerstin*

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  2. Oh wow.... wie schön...

    Liebesgrüße
    Joanna

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  3. Anke, wie kannst Du nur mit Deinem wunderschönen Post zu meinen 'gebrannten Mandeln' auch noch einen dicken Kloß in meinen Hals zaubern ;o)
    Das hast Du so wunderschön geschrieben - Malte ist auf Dich sicherlich genauso stolz wie Du auf ihn!

    Ich wünsch Deinem ganz besonderen Sohn einen wunderschönen Geburtstag, alles Liebe und Gute und von Herzen, dass er bleibt wie er ist, denn er ist toll!

    Sollte das mit dem Besuch bei Dir und Esther mal klappen, bring ich auf jeden Fall den Birnenkuchen mit ;o)

    Herzlichste Grüße,
    Melanie

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  4. Ich gratuliere deinem Großen auch ganz herzlich!
    Das sind so wundervolle Worte... er kann sich glücklich schätzen eine Mama zu haben die Liebe pur ist!
    Darum beneide ich ihn fast ein wenig ;o)
    Ich wünsche ihm das aller Beste für seinen weiteren Weg... ich bin mir auch sicher das er ihn meistern wird... egal welche Startschwierigkeiten er hatte, sein Weg war immer mit Liebe gepflastert,beste Voraussetzung für einen guten Start!
    Liebste Grüße
    von Esther & Familie

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  5. das ist die schönste *mutterliebeserklärung*, die ich gelesen hatte !
    malte, ich wünsch dir alles gute zu deinem ENDLICH 12-en geburtstag !!..du hast dir eine bessere mutter nicht aussuchen können !

    viele liebe grüße
    barbora

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  6. Oh Anke,
    welch berührender Liebesbrief für deinen einzigartigen Sohn!
    Und wie glücklich er sein kann Dich als Mutter zu haben ... Bei einer solch innigen Mutterliebe, bei diesem Fundament darfst Du wohl zu Recht Vertrauen haben, dass er seinen eigenen Weg findet und mutige Schritte auf ihm setzen wird.
    Liebe Grüße
    Uta

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  7. Jetzt bin ich zu spät! Dabei habe ich das Post gestern früh am Morgen schon gefunden, ohne Zeit zu schreiben.
    Herzlichen Glückwunsch nachträglich deinem Sohn und vorallem dir, die du so liebevoll und anerkennend von deinem Ältesten schreibst. mach weiter so!
    Todmüde Grüsse
    Gabriela

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  8. Gerade habe ich - selbst Mutter eines 10jährigen Sohnes mit LRS - auf deinen Post gestoßen, der mich zu Tränen rührt. So viel Liebe und Wärme spricht daraus, welch ein Glück hat dein Sohn, in eine so verständnis- und liebevolle Umgebung hineingeboren worden zu sein!
    Ich finde weiter keine Worte als die, dass ich tiefen Respekt vor deiner Einstellung empfinde.

    Ganz liebe Grüße,
    Angelika

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