Freitag, 11. Dezember 2009


'Ich versteh die Welt nicht mehr'...

Ja, so geht es mir auch oft - naja, eigentlich immer.

Wir haben das Paradies und leben hier als sei es die Hölle.
Ich bin gewiß überhaupt nicht die erste, die darüber nachdenkt. Das Bild der Vertreibung aus dem Paradies sagt nichts anderes. Ein kluger Kopf, der sich diese Erklärung erspann. In jeder Hinsicht. Es hilft den Menschen, eine Erklärung zu geben, wieso es Missverständnisse und Schmerzen gibt. Aber läßt auch Resegnation zu. Resignation, die sich gut 'vermarkten' läßt, mit der hervorragend Politik zu betreiben ist.
Aber es ist auch ein großartiges Bild für die Zerrissenheit, die wir in uns selbst finden. Denn letztlich entsteht die große Welt in uns selbst. Wir empfinden Neid, weil wir Mangel empfinden. Und wir sind wütend, weil wir so traurig sind.

Ich hörte einen Zeitgenossen sagen, dass, wenn wir als Kind nicht gelernt haben, uns selbst zu lieben, wir es nie mehr lernen. Vielleicht stimmt es auch ein wenig... Oder nein, ich glaube nicht - es ist nur ein beschwerlicherer Weg, der viel 'Arbeit' erfordert. Aber nichts ist unmöglich.

Und wer hat schon wirklich gelernt, die kindliche Selbstliebe zu bewahren? Ich glaube, die meisten von uns, hatten mit ihren Eltern eine Herausforderung - mal größer mal kleiner. So, dass wir sagen können, er war alles perfekt, jede meiner Bedürfnisse wurde vollends erfüllt, ich wurde stets geachtet und geliebt, das können sicherlich nur wenige von sich sagen. Als Kinder sind wir unseren Eltern mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert, lieben und glauben ihnen zunächst bedingungslos. Also ist es auch die Wahrheit, dass wir 'auf die Nerven gehen', 'stören', 'den Schlaf rauben'usw.
Das ist ein wenig die Vertreibung aus dem Paradies. Wir haben uns nicht an die Abmachung gehalten. Wir waren nicht 'brav' oder 'artig'.

In unserer Welt der Dualität sind solche Bilder vielleicht notwendig, um sie zu strukturieren, sich zurecht zu finden. Aber bei genauerer Betrachtung existiert das alles nicht. Im Grunde wissen wir das auch. Aber wir entfernen uns von unserem heiligen Wissen. Wir 'schaffen' uns strafende und eitle Götter. Und natürlich brauchen wir auch den Gegenspieler - sonst wäre unsere Ordnung nicht mehr haltbar.
Denn was wäre, wenn es nur eine Größe gäbe, eine Liebe und eine Ordnung - nämlich die, des Seins. Nicht mehr und nicht weniger. Was gäbe es für einen Grund 'brav' zu sein, artig die Abmachungen einzuhalten? Würde nicht alles aus den Fugen geraten? Würden wir dieses Bild in unseren Herzen weiterspinnen und aushalten - läge die Welt nicht in den nächsten Stunden in Schutt und Asche?

Ist es das, was jeder von uns möchte? Die Welt in Schutt und Asche legen? Ich glaube nicht. Oder ich bin sicher, dass das nicht so ist. Als ich in die neugierigen weisen Augen meiner neugeborenen Kinder sah, sah ich nichts davon. Nur stille Erwartung, frohes Hoffen und eine tiefe Liebe - nicht zu jemandem oder an etwas gebunden. Die Liebe war einfach nur da. Und die haben wir alle mitgebracht.
Wenn wir uns alle in diesen Augen spiegeln, sehen wir in unser Herz, sehen wir die tiefste Weisheit, die in uns allen ist.

Und diese Augenblicke gilt es immer wieder zurückzuholen - in diese Welt. Dann kann ich sie noch weniger und doch absolut verstehen. Ich habe eine tiefe Liebe für dieses irdische Leben, eine große Sehnsucht nach dessen Vollendung. Aber mein Herz traut sich nicht so recht. Hat Angst, diese Liebe zu leben, weil sie sich wie neugeboren und schutzlos anfühlt. Das, was da tief in mir ruht, ist ängstlich. Es hat den Verstand vorgeschickt, hat sich auf die Lauer gelegt, wartet auf seine Erfüllung - in einem sicheren Raum.
Und 'plötzlich' tauchen Menschen in meinem Leben auf, die mit mir gehen. Die sich auch nicht so recht 'trauen'. Menschen, die die Welt auch nicht verstehen.
Die lernen wollen oder auch nicht. Aber die genauso verhaftet sind in der Liebe und sich nicht lösen können.

Da ist keine Versuchung, da ist keine 'Übertretung', keine Vertreibung - die gibt es nur auf dieser Erde. Es erfordert tatsächlich sehr viel Mut (brave), sich auf das Leben einzulassen. Wieso wir hier sind? Das weiß jeder für sich. Ich glaube, ich bin hier, um mutig zu werden... und diese Einladung anzunehmen.

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