Donnerstag, 15. Januar 2009

Reiselust



Ich habe solche Lust zu reisen. Dabei igel ich mich seit einiger Zeit in mein Nest, habe keine Sehnsucht raus zu gehen. Und doch...
In meiner Fantasie, ja da war ich schon überall, habe geschnorchelt am Strand von Mauritius, habe mich streicheln lassen von der leichten Brise, habe mich wegtragen lassen von der Leichtigkeit, die ein solcher Urlaub verspricht. Ich habe auch schon in dicker Jacke am Strand der Nordsee gesessen und über alle Mysterien nachgedacht, habe meine Gedanken ziehen lassen, habe ihnen hinterher gesehen - und den Kopf über mich geschüttelt. Solange bis ich die Kälte gespürt habe, das Salz als Kruste auf meinen Lippen lag und ich durchgepustet vom rauhen Wind in mein Domizil schweren Schrittes zu einer Tasse Tee mit Kluntjes gewandert bin. Ach ja, und ich war auch schon in Bayern, habe dort Urlaub auf dem Bauernhof mit lauter braunen Kühen gemacht, bin die vielen Pfade vorbei an viel zu vielen Gekreuzigten geschlendert, habe mich dabei gefragt, wieso wir ein solches Bildnis als Symbol für bedingunglose Liebe aufhängen. Habe mir die mächtigen Bergmassive zum Anlass genommen, über Kraft und Stärke zu sinieren, habe mich an frisch gemolkener Milch gelabt...
All das habe ich in Gedanken schon erlebt. Es wäre also ein Leichtes, erneut den Koffer zu packen, um endlich mal ins Kempinski nach Heiligendamm zu reisen. Dorthin, wo ich einen Traum in den Sand gebuddelt habe.
Aber ich möchte nicht mehr im Geiste reisen, ich möchte körperliche Erfahrungen machen, möchte Sinneseindrücke erleben. Schon als Kind habe ich in meiner Fanasie gelebt - und bin dort 'hängengeblieben'. Dort war ich sicher und geschützt, dort hat mich niemand gestört, mich niemand meiner Träume beraubt. Sie waren mein wohlgehüteter Schatz! Aber so langsam trau ich mich hinaus - in die Welt der Körperlichkeit. Wir sind körperliche Wesen mit wundervollen Sinnen. Es wird Zeit, dass ich mich um dieses Geschenk kümmere! Allerdings weiß ich gar nicht so recht, wie und wo ich das anfangen soll. Ganz langsam gehe ich Schritt für Schritt vor meine Tür. Atme einfach tief durch, wenn mich die Angst beschleicht. Und noch einen Schritt... Einen kleinen zunächst, aber immerhin...
Was für ein Erleben! Schon als Kind mochte ich mich nicht schmutzig machen, mußte alles wohl geordnet sein, bis ich dann im Chaos sass. Und ich danke dem Chaos, dass es zu mir kam. Denn vor lauter gescheitertem Bemühen es zu beseitigen, fand ich meinen Körper. Und damit das Recht hier zu sein - ganz und gar. Mit Geist, Verstand, Armen und Beinen, Geschmack und Geruch, hören und riechen. Meine Sinne sind noch sehr zart, sind das alles nicht gewohnt. Zu Lautes strapaziert meine Ohren und meinen Geist - und ich versuche zu fliehen. Aber... Ich wollte ja die Koffer packen und wirklich reisen - meinen Schatz am Strand bergen. Dazu muss ich meine Sinne schulen und den Umgang mit ihnen lernen.
... auf diesem Weg begleitet Ihr mich, meine drei kleinen Engel, strapaziert alle meine Sinne und begleitet mich mit größter Zielstrebigkeit in die große weite Welt!

Kommentare:

  1. Liebe Anke,
    ich würde Dir so gerne einen Kommentar schreiben! Aber angesichts Deiner Worte fehlen mir die Meinen... Was soll ich sagen, ich wünsche Dir viiiiiiiiel Glück auf Deiner Reise in die Sinneswelt und einen schönen Tag. Alles Liebe *Kerstin*

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  2. Ach, Anke, ich verstehe soooo gut! Ist das auch so eine krebssche Eigenart? Dieses Zurücknehmen ( ;-) ) in Phantasiereisen?
    Gerne würde ich dich ein gutes Wegstück begleiten!
    Die Worte gingen nie aus! ;-)

    Alle(s) Liebe,

    Catalina

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  3. Liebe Anke,
    du hast so schön geschrieben.Ich weiß nichts zu sagen. Eigentlich geht es mir oft genau so. Aber so schön in Worte kleiden, wie du, dass kann ich leider nicht. Ich wünsche dir viel Glück für deine Sinnesreisen. Auch ich würde gern dein stiller Begleiter sein.
    Liebe Grüße Chrissi

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  4. liebe anke,

    ich muss mich auch nur kurz fassen, denn ich möchte das gefühl von gerade gelesenem nicht verlieren..hach, anke..ich werde süchtig !!

    herzlichst barbora

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  5. Träume nicht Dein Leben
    sondern lebe Deinen Traum!

    Aber Träume führen uns zu unserem Leben.
    Träume weiter und versuche einige, oder erst mal einen Traum, in Erfüllung gehen zu lassen.

    Wie sagt man auch so schön: Vorfreude ist die schönste Freude.

    Frischgemalkene Milch hab ich schon getrunken. Auf einer Mototrradtour mit Zelt zu zweit auf EINEM Motorrad.
    Der Urlaub war ein Traum. Nur, daß die Milch wirklich in meinem Bauch verdaut wurde.

    Anke, tu es!

    LG
    Nani

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  6. Liebe Anke,
    Wunderschöne Worte hast Du da gefunden, die mich wirklich sehr berührt haben.
    Meinen größten Respekt davor!
    Und wenn ich mir etwas wünschen darf: Geh hinaus!!!!!! Geh, erlebe, kehre zurück und berichte uns. Verzaubere uns mit Deinen Worten, lass uns teilhaben an Deiner Sicht der Dinge.
    Liebe Grüße von mir und meinem Zahn :-)
    Es war zu ertragen, aber ich habe riesige Angst vorm Zahnarzt....

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  7. Wann reisen wir zwei los?-Du weißt schon wo hin!
    ;o)
    *Drück dich*
    Deine Esther

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  8. Liebe Anke,

    du hast so eine wundervolle Gabe deine Gedanken und Worte zu "verpacken" - da könnte ich jedesmal stundenlang lesen!
    ...viel Glück auf deiner Reise ... und tue bald den ersten Schritt ...:o)

    Ganz lieben Dank auch für deine Wünsche - ich kann Kraft im Moment sehr gut gebrauchen!

    Dir und deinen Lieben ein wunderschönes Wochenende
    Liebste Grüße
    Manu

    PS: Dein Hintergrund ist superschön!!!

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